An was denkst Du, wenn Du „Leine“ im Zusammenhang mit Mantrailing hörst? Neonfarbene Leinen aus Biothane? Geschmeidige Fettlederleinen? Oder vielleicht auch an Leinensalat, Knotenchaos und schlackernde Leinen?
Rund um die Leine beim Mantrailing gibt es viele Aspekte, die eine Rolle spielen. Während Material, Länge oder Leinenspannung meist sofort auffallen, werden andere Aspekte leicht übersehen. Insbesondere das Leinenhandling spielt eine wichtige Rolle. Aber es gibt beim bedürfnisorientierten Mantrailing noch ein Dilemma, das nur selten zur Sprache kommt.
Das Wichtigste in Kürze
🔗 Die richtige Mantrailing-Leine ist vor allem eine Frage von Sicherheit, Handling und persönlichem Gefühl – nicht von Material oder Farbe.
🔗 Die Leine ist beim Mantrailing weit mehr als ein Stück Ausrüstung: Sie verbindet Mensch und Hund körperlich, emotional und kommunikativ.
🔗 Eine konstante fühlende Leinenverbindung ermöglicht den Austausch von Informationen in beide Richtungen und unterstützt viele Hunde bei der Sucharbeit.
🔗 Die Leine wie die Zügel beim Pferd zu halten verbindet Stabilität und Wahrnehmung: Zugkräfte können über den ganzen Körper aufgenommen werden, während Informationen über die Leine spürbar bleiben.
🔗 Gutes Leinenhandling hilft dabei, die Verbindung zum Hund aufrechtzuerhalten und unnötige Zug- oder Bremsimpulse zu vermeiden.
🔗 Leinenhandling ist eine Fertigkeit, die sich durch Trockenübungen gezielt trainieren lässt und dem Hund viele unangenehme Erfahrungen ersparen kann.
🔗 Die Leine bereits vor dem Start sauber aufzunehmen erleichtert das spätere Leinenhandling und sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit beim Hund bleiben kann.
🔗 Leine verlängern bedeutet, dem Hund kontrolliert mehr Bewegungsraum zu geben, ohne die fühlende Verbindung über die Leine zu verlieren.
🔗 Leine verkürzen bedeutet nicht, an der Leine zu ziehen und Zug auf den Hund zu bringen, sondern durch eigene Bewegung den Abstand zum Hund zu verringern und die Leinenlänge dabei ruhig und ruckelfrei anzupassen.
🔗 Wer die Leine nach dem Trail sauber aufschießt, verhindert Knoten, spart Zeit und startet beim nächsten Trail direkt mit einer einsatzbereiten Leine.
🔗 Die Länge der Leine beeinflusst sowohl die Bewegungsfreiheit des Hundes als auch die Qualität der Verbindung zwischen Mensch und Hund.
🔗 Ein bedürfnisorientiertes Mantrailing berücksichtigt nicht nur den Trainingserfolg, sondern auch die Auswirkungen von Leine, Abstand und Bewegungseinschränkung auf das Wohlbefinden des Hundes.
🔗 Mantrailing kann viele Bedürfnisse erfüllen, ersetzt aber nicht die Möglichkeit, sich frei, selbstbestimmt und im eigenen Tempo durch die Umwelt zu bewegen.
🔗 Gerade für Hunde, die im Alltag viel an der Leine sind, lohnt sich die bewusste Abwägung zwischen den Vorteilen des Mantrailings und dem Bedürfnis nach freier Bewegung.
🔗 Wenn schon ein Hobby an der Leine, dann eines, bei dem die Qualität der Verbindung und das Wohlbefinden des Hundes im Mittelpunkt stehen.
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Die Leine als Verbindung
Die Leine ist beim Mantrailing weit mehr als ein Stück Ausrüstung. Sie verbindet Mensch und Hund auf verschiedenen Ebenen: körperlich, emotional und kommunikativ.
- Sie ist das spürbar verbindende Element von Mensch und Hund. Die Aufgabe wird als Team gemeinsam gelöst.
- Sie begrenzt den Bewegungsrahmen für den Hund während der Bewegung in der Umwelt.
- Sie dient zur Sicherung des Hundes.
- Sie kann als ein Signal von vielen (Warnweste, Warnfarbe) von Passant*innen wahrgenommen werden, dass der Hund gerade eine Aufgabe erfüllt und unter Kontrolle ist.
Die emotionale Verbindung
In meinem Buch „Mantrailing: Mehr als Suchen – Wohlbefinden als Wegweiser“ habe ich geschrieben: „Am Ende der Leine befindet sich nicht einfach eine mechanische Bremse, sondern ein lebender und fühlender Mensch, der mit dem Hund in einer Beziehung steht, der Emotionen hat und eine Geschichte mit verschiedenen Lernerfahrungen mit dem Hund teilt. Jemand, der mit einer Absicht ins Training geht.“
Unsere Emotionen haben natürlich einen Einfluss darauf, wie gefühlvoll wir mit der Leine umgehen können. Angst lässt uns die Leine eher stärker festhalten und weniger weich sein.
Und so wirken sich die Emotionen des Menschen auch auf die kommunikative Verbindung über die Leine aus.
Die kommunikative Verbindung
Beim Trailen ist die Leine auch ein Kommunikationsmittel. Und zwar in beide Richtungen.
Eine fühlende Leinenverbindung hat viele Vorteile für das Team. Dabei wird die Spannung der Leine idealerweise vom Menschen aufgebaut und konstant gehalten, damit er den Hund spüren kann und der Hund ihn. Diese spürbare Verbindung wird von der Länge und dem Eigengewicht der Leine beeinträchtigt. Jeder Meter mehr zwischen Hund und Mensch verwässert diese Verbindung.
Auf der einen Seite signalisieren wir dem Hund damit, dass wir als Team unterwegs sind und auf der anderen Seite empfangen wir über diese fühlende Verbindung unmittelbare Informationen über Bewegungsveränderungen des Hundes.
Information vom Mensch zum Hund:
Das Spüren der Verbundenheit über die Leine kann für viele Hunde eine wichtige Unterstützung sein. Meine Kolleg*innen und ich beobachten immer wieder, dass gerade unsichere Hunde von dieser Verbindung sehr profitieren und bei einer durchhängenden oder schlackernden Leine zögerlicher oder sogar gar nicht den Trail verfolgen. Spüren sie ihren Menschen wieder über die Leine, gehen sie wieder mutig voran. Über das Ausbremsen mit der Leine können wir den Hund auch daran hindern, sich oder andere in Gefahr zu bringen.
Information vom Hund zum Mensch:
Wenn ein Hund auf dem Trail eine Entscheidung getroffen hat, wird das über die Leine für uns spürbar. Die Veränderung in der Spannung der Leine in Bezug auf Tempo oder Bewegungsrichtung spüren wir bereits im Moment der Entscheidung. Noch bevor wir bewusst gesehen haben, was unser Hund gerade tut, hat unser Körper die Information bereits aufgenommen und wir können darauf reagieren.
Um das erlebbar zu machen ist eine Mensch-Mensch Übung sehr gut geeignet. In Seminaren oder bei Neukund*innen hier vor Ort demonstriere ich das gerne so: Ich bitte eine Person, die Rolle des Hundes zu übernehmen und nehme die Leine auf, die uns verbindet. Dann schließe ich die Augen und lasse die Person loslaufen. Dabei darf sie das Tempo verändern, Richtung wechseln und Kurven laufen – also ein bisschen so, wie sich ein Hund auf dem Trail verhalten kann. Die Menschen sind jedesmal erstaunt, wie selbstverständlich es mir mit geschlossenen Augen gelingt, allein über die Informationen der Leine der Person exakt zu folgen. Natürlich achte ich bei dieser Übung darauf, dass keine Bodenhindernisse da sind, damit ich nicht darüber stolpere oder falle.
Und dann werden die Rollen gewechselt. Diese Erfahrung ist immer eines der größten AHA-Erlebnisse und wirkt sich extrem positiv auf das Leinenhandling aus. Ein Spiel mit der Leinenspannung lässt auch den Einfluss für beide Seiten spürbar werden. Die konstante Verbindung transportiert den Gedanken, die Aufgabe mit dem Hund als Team zu lösen sehr deutlich.
Probiers einfach mal selbst aus! Und sei offen für die spürbaren Effekte einer konstanten und fühlenden Leinenverbindung.
Leinenhandling - Damit Verbindung spürbar wird
Die Leine selbst überträgt also bei der fühlenden Verbindung konstant Informationen in beide Richtungen. Es gibt aber noch einen Aspekt im Umgang mit der Leine, der Einfluss auf den Hund hat: die Länge der dem Hund zur Verfügung gestellten Leine, denn bei einer konstanten fühlenden Leinenverbindung bestimmt sie den Abstand zwischen uns und dem Hund. Und das ist eine Gratwanderung, denn:
Mehr Abstand = längere Leine übt wenig Druck von hinten auf den Hund aus, aber die konstante Verbindung leidet und es kann potentiell ein Risikofaktor in Bezug auf Umweltrisiken sein.
Weniger Abstand = kürzere Leine hingegen hat einen treibenden Effekt durch unsere Bewegung hinter dem Hund, aber die Verbindung über die Leine ist spürbarer und der Hund kann weniger leicht ungewollt in einen Gefahrenbereich geraten.
Die Länge an Leine, die wir auf dem Hund zur Verfügung stellen ist also keine Konstante, sondern ist sowohl individuell als auch situativ anzupassen.
Werfen wir mal einen genaueren Blick auf ein Leinenhandling, das sich bewährt hat, diese Verbindung aufzunehmen und auch bei Veränderungen der Leinenlänge konstant zu halten.
Zur Veranschaulichung findest Du am Ende dieses Abschnittes ein Video, das die einzelnen Elemente des Leinenhandlings zeigt.
Leine aufnehmen
Für mich beginnt gutes Leinenhandling nicht erst auf dem Trail, sondern bereits davor.
Die Leine sollte entwirrt, entknotet und sauber aufgenommen sein, bevor Du mit Deinem Hund zum Start gehst. Alles, was Du erst am Start sortieren musst, kostet Zeit und Aufmerksamkeit. Zeit, die eigentlich Deinem Hund und seinem Start in den Trail gehören sollte. Mach es Deinem Hund leicht und bereite Dich gut vor.
Eine sauber aufgenommene Leine ist außerdem die Grundlage dafür, dass sich die Leine später reibungslos verlängern und verkürzen lässt. Je ordentlicher die Vorbereitung, desto flüssiger funktioniert das Handling auf dem Trail.
So nehme ich meine Leine auf:
- Etwaige Knoten werden aus der Leine entfernt.
Den Karabiner hänge ich zunächst an meiner Kleidung ein. So liegt er weder im Dreck noch kann er beim Aufnehmen der Leine versehentlich jemanden verletzten oder etwas beschädigen.
Das Ende der Leine ohne Karabiner nehme ich in meine Vorratshand. Das ist die Hand, die später nicht direkt mit dem Hund verbunden ist. Bei mir ist das die linke Hand.
Die restliche Leine lasse ich gerade auf den Boden fallen.
Anschließend wickele ich die Leine in Schlaufen auf meine Vorratshand auf. Die einzelnen Schlaufen sind ungefähr so lang wie mein Unterarm.
Muss ich die Leine noch einmal ablegen, achte ich darauf, dass ich sie später wieder in derselben Reihenfolge aufnehme.
Erst wenn die Leine sauber aufgenommen ist, wird der Karabiner am Hund befestigt.
Diese Vorbereitung gehört für mich zum Startritual bevor ich den Hund aus dem Auto hole. Sie schafft die Grundlage dafür, dass die Leine später ruhig, flüssig und ohne Verknoten durch die Hände laufen kann und ich mich komplett auf den Hund konzentrieren kann und nicht mit der Leine beschäftigt bin.
Leinen-Haltung
Um die Leinenspannung dauerhaft konstant halten zu können, ist eine beidhändige Leinenführung notwendig. Nur mit dem Zusammenspiel von beiden Händen ist ein ruckelfreies Verlängern und Verkürzen möglich. Die Hand, die die Verbindung über die Leine zum Hund aufnimmt – ich nenne sie die Führhand, bei mir die rechte – fungiert als Sensor, Umlenkrolle und Feststellbremse im Notfall.
Ich empfehle für die Aufnahme der Leine in die Führhand die sogenannte Zügel-Handhaltung beim Reiten. Dabei verläuft die Leine vom Hund kommend zwischen Klein- und Ringfinger in der Handinnenfläche. Zwischen Daumen und Zeigefinger läuft sie wieder heraus.
So nimmst Du die Leine in der Zügelhaltung auf
👉 Nimm Deine Hand in die Position, als würdest Du ein Glas halten.
👉 Die Leine kommt von Deinem Hund.
👉 Fädle die Leine zwischen kleinem Finger und Ringfinger ein.
👉 Führe die Leine innerhalb Deiner Hand nach oben in Richtung Zeigefinger.
👉 Über den Zeigefinger verlässt die Leine Deine Hand wieder.
👉 Mit dem Daumen sicherst Du die Leine.
👉 Richte Deine Hand so aus, dass die Leine möglichst geradlinig durch Deine Hand verläuft.
Je nach Handhaltung kannst Du so die Leine zum Verlängern kontrolliert durchlaufen lassen oder aber mit wenig Kraftaufwand durch Aufstellen des Handgelenks (so dass der Daumen nach oben zeigt) die Leine halten und den Hund so im Notfall wirksam bremsen. Das Aufnehmen der Leine, sowie das Verkürzen und Bremsen kannst Du Dir im Video ansehen.
Die Zügelhaltung unterstützt sowohl die Stabilität des Menschen bei starkem Zug vom Hund als auch die Qualität der fühlenden Leinenverbindung.
Die Zügelhaltung ermöglicht eine stabile Position des Handgelenks, wenn Zugkräfte aufgenommen werden müssen. Unterarm, Ellbogen, Schulter und Rumpf können sich an der Aufnahme und dem Ausgleich von Bewegungen beteiligen. Du nutzt also nicht nur die Kraft Deiner Hand, sondern die Stabilität Deines gesamten Körpers.
Gleichzeitig unterstützt die Zügelhaltung eine feine Wahrnehmung der Leinenverbindung. Veränderungen in Spannung, Tempo oder Bewegungsrichtung werden nicht nur über die Hand wahrgenommen. Auch Arm, Körperhaltung und Gleichgewichtssystem tragen dazu bei, diese Informationen wahrzunehmen.
Dadurch entsteht häufig die Erfahrung, dass die fühlende Leinenverbindung klarer und leichter wahrnehmbar wird.
Für mich ist die Zügelhaltung eine sehr gute Basis, Stabilität und Wahrnehmung miteinander zu verbinden.
Die Zügelhaltung unterstützt uns dabei, die Leine in ihrer Funktion als Sicherheitsleine, Kommunikationsmittel und fühlende Verbindung einzusetzen.
Leine verlängern
Die Leine zu verlängern bedeutet: Der Hund bekommt mehr Raum für seine Bewegung ohne selbst mitgehen zu müssen. Das kann zum Beispiel wichtig sein, wenn Dein Hund eine Treppe hinaufläuft oder etwas enges ausarbeitet, um seine Entscheidung zu treffen.
Beim Verlängern lässt Du die Leine kontrolliert durch Deine Führhand gleiten und hältst dabei die Verbindung konstant aufrecht.
Und das funktioniert nur, wenn Du vorher dafür gesorgt hast, dass die in der Vorratshand liegenden Schlaufen ordentlich und frei beweglich sind. Nur dann können sie nacheinander freigegeben (fallengelassen) werden, ohne sich zu verdrehen oder zu verknoten.
So kann Dein Hund seinen Bewegungsraum erweitern, während die Leine gleichmäßig nachläuft und die Verbindung ruhig und konstant bleibt.
Leine verkürzen
Nicht ganz so einfach ist es mit dem Leine verkürzen. Eigentlich mag ich diesen Begriff gar nicht besonders.
Denn „Leine verkürzen“ erzeugt schnell das Bild, dass die Leine eingezogen oder zum Menschen herangezogen wird. Genau das beschreibt jedoch nicht, was beim Mantrailing idealerweise passiert.
Das Bild, das ich hilfreicher finde, lautet:
Ich verkürze den Abstand zum Hund indem ich mich zu ihm hingangel.
Die Leinenlänge wird dabei lediglich an die neue Distanz zum Hund angepasst. Dabei ist wichtig, dass die Verbindung über die Leine möglichst konstant bleibt. Die Veränderung der Distanz soll ruhig, fließend und für den Hund möglichst ruckelfrei erfolgen.
Dafür arbeiten Führhand und Vorratshand im Wechsel zusammen.
👉 Die Vorratshand greift körpernah hinter der Führhand in die Leine und übernimmt die Spannung.
👉 Während die Vorratshand die Verbindung hält, bewegen sich Führhand und Körper in Richtung Hund.
👉 Sobald die Führhand wieder weiter vorne ist, übernimmt sie die Spannung.
👉 Die Vorratshand rückt nach, nimmt dabei die frei gewordene Leine als Schlaufe auf und greift erneut hinter der Führhand in die Leine.
👉 Anschließend übernimmt sie wieder die Spannung.
👉 Dieser Wechsel wiederholt sich so lange, bis der gewünschte Abstand zum Hund erreicht ist.
Durch die gleichmäßige Spannungsübernahme bleibt die Verbindung zum Hund ruhig und konstant. Die Leinenlänge verändert sich, ohne dass dabei zusätzliche Zugimpulse über die Leine beim Hund ankommen.
Leine nach dem Trail aufwickeln
Nach dem Trail nehme ich die Leine so auf, dass sie bis zum nächsten Einsatz möglichst ordentlich bleibt, sich nicht verknotet und schnell wieder einsatzbereit ist. Diese Art des Aufwickelns habe ich vor vielen Jahren von einem Segler gelernt. Man nennt es „Aufschießen einer Leine“.
So gehe ich vor:
👉 Zunächst sichere ich den Karabiner.
👉 Das Ende der Leine ohne Karabiner nehme ich in meine Vorratshand.
👉 Anschließend lege ich unterarmlange Schlaufen auf die Vorratshand, bis noch etwa 1,5 Meter Leine übrig sind.
👉 Mit diesem verbleibenden Leinenstück umwickele ich die Mitte des Schlaufenbündels mehrfach stramm.
👉 Aus dem verbleibenden Leinenende forme ich eine Schlaufe.
👉 Diese Schlaufe stecke ich durch die obere Öffnung des Schlaufenbündels.
👉 Mit der freien Hand greife ich von hinten durch das entstandene Auge, fasse die Schlaufe und ziehe sie über den oberen Teil des Schlaufenbündels.
👉 Anschließend ziehe ich die Konstruktion mit dem verbleibenden Leinenende fest.
So entsteht ein kompaktes Bündel, das sich nicht von selbst öffnet und sich gut transportieren lässt. Den Karabiner kannst später nutzen, um die aufgewickelte Leine zu befestigen oder aufzuhängen.
So aufgewickelt brauchst Du die Leine vor dem nächsten Trail auch nicht erst zu entwirren.
🎞️ Video zum Leinenhandling
Leinenhandling ist Handarbeit
Schwirrt Dir der Kopf mit den vielen Bildern vom Leine aufnehmen, halten, verlängern oder verkürzen? Versteh ich. Deswegen finde ich es auch so wichtig, diese „Handarbeit“ als Trockenübung zu lernen und üben. Damit ersparst Du den Hunden einige ungute Erfahrungen.
Leinenhandling ist eine Fertigkeit. Und wie jede Fertigkeit fällt sie uns leichter, wenn wir sie regelmäßig üben.
Denn jedes Haken, jedes Verheddern und jedes ungewollte Bremsen der Leine kommt letztlich beim Hund an. Besonders beim Verringern des Abstandes können ruckartige Bewegungen oder plötzlich entstehende Spannung die Arbeit des Hundes beeinflussen.
Je flüssiger Dein Leinenhandling wird, desto unauffälliger wird die Leine als Werkzeug.
Die Leine selbst
DIE perfekte Mantrailing Leine gibt es nicht. Es gibt nur die am besten zu einem Team passende Leine. Und das kann je nach Vorliebe und Erfordernissen ganz unterschiedlich ausfallen.
Die Leine muss ja beim Trailen mehrere Aufgaben erfüllen: Sicherheit und fühlende Verbindung.
Sicherheit
Karabiner, Breite und Dicke der Leine, Reißfestigkeit und Gripp gegen Durchrutschen sind die Faktoren, deren Wahl sich am Hund orientiert. Für einen trailenden Hund mit 4 kg brauchen wir eine andere Leine, als für einen Hund mit dem zehnfachen Gewicht oder mehr. Material, Größe und Gewicht des Karabiners, sowie das Gewicht der Leine müssen in Relation zum Hund sein. Der Ring am gut passenden Geschirr, an dem der Karabiner eingehängt wird, ist möglichst unterpolstert.
Ob die Trailleine am Ende eine Schlaufe hat oder nicht, kommt auf die Art des Leinenhandlings an. Sollte die Leine nicht komplett in der Hand gehalten werden, sondern auf dem Boden schleifen, was ich ausdrücklich nicht empfehle, birgt eine Schlaufe das Risko des Hängenbleibens. Wenn die Leine aber, wie ich es empfehle, in voller Länge mit beiden Händen gehalten wird, kann durchaus eine Handschlaufe dran sein. Bei Leinen ohne Handschlaufe empfehle ich, eine haptische Markierung wie z. B. flache Nieten ca. einen Meter vor Leinenende anzubringen. So kann man spüren, wenn das Ende der Leine gleich erreicht ist.
Auch die Leinenlänge ist etwas vom Team abhängig. Wer gut mit der Vorratshand auch längere Leinen organisieren kann, darf auch gerne mehr als 7 Meter nehmen. In der Regel reicht aber eine Länge von 7 Metern. Im Einzelfall können auch schon 5 Meter Leine ausreichend sein.
Das Tragen von Handschuhen kann in vielen Fällen sehr sinnvoll sein. Gerade wenn das gewählte Leinenmaterial beim Durchrutschen zu Verbrennungen führen kann oder wenn aufgrund der Kraft oder Temperatment des Hundes ein guter sicherer Gripp notwendig ist.
Gefühlssache
Wenn die Sicherheitsaspekte berücksichtigt sind, dann ist die letzte Auswahl eine ganz persönliche Entscheidung. Wie gesagt, es gibt nicht DIE Trailleine. Welches Material sich gut anfühlt und Sicherheit gibt ist sehr individuell.
Ob die Leine nun aus Biothane, dick, dünn, mit oder ohne Noppen, Hexagurt, Gurtband mit oder ohne Gummierung oder Leder ist, ist immer eine individuelle Entscheidung. Daher empfehle ich meinen Kund*innen, erstmal meine Leinen durchzuprobieren oder die „Fühlprobe“ zu machen, bevor sie sich eine eigene Trailleine kaufen.
Ich persönlich bin inzwischen ein großer Fan von Hexagurtleinen. Sie sind sehr stabil, haben wenig Gewicht und ich empfinde sie als sehr geschmeidig im Handling mit gutem Gripp. Es gibt es sie in vielen Farben, meistens auch in Warnfarben, die ich generell favorisiere.
Wenn Dein Hände Dir bei einer Lederleine Glücksgefühle vermitteln, dann ist das Deine Wahl.
Die Leine muss Dir leicht durch die Finger laufen, gut aufzunehmen, zu wickeln und natürlich sicher sein. Du musst ein gutes Gefühl haben, wenn Du sie in die Hand nimmst und die Verbindung mit Deinem Hund aufnimmst.
Exkurs: Ruckdämpfer?
Bei stark auf dem Trail ziehenden Hunden kommt gerne die Frage nach einem Ruckdämpfer auf.
Ein Ruckdämpfer kann im Einzelfall Sinn machen. Aber nur mit dem Ziel, Belastungsspitzen für Hund und Mensch aufzufangen. Der Ruckdämpfer darf eben nicht dazu führen, dass nicht mehr an der Ursache des starken Ziehens beim Trailen gearbeitet wird.
Ziel beim Trailen ist für mich die fühlende Verbindung der Leine, bei der der Mensch die Spannung aufbaut. Bis das erreicht ist, kann ein Ruckdämpfer jedoch gute Dienste leisten und die Gesundheit von Hund und Mensch schonen.
Das Leinendilemma
Kommen wir nun zu einem Aspekt der Leine, der besonders beim bedürfnisorientierten Mantrailing zu einem Dilemma führen kann.
Für viele Menschen, deren Hunde auch im Alltag überwiegend an der Leine sind, ist Mantrailing auf den ersten Blick das geniale Hobby. Denn es eröffnet eine Möglichkeit, viele Bedürfnisse des Hundes zu erfüllen, gemeinsam zu wachsen und viele Erfolge zu feiern, weil es auch mit Leine möglich ist. Das ist die schöne Seite.
Aber es gibt noch eine andere Seite dieser Medaille, denn wenn der Hund im Alltag schon viel an der Leine läuft, dann wäre ein Hobby, bei dem er keine Bewegungseinschränkung hat natürlich wünschenswert.
Mantrailing kann eine wunderbare Beschäftigung für Hunde sein, die viel an der Leine sind. Und genau darin liegt gleichzeitig ein Dilemma.
Und so bleibt es eine sehr individuelle Abwägung, ob die Vorteile des Mantrailings für diesen Hund die Einschränkung durch ein weiteres Hobby an der Leine aufwiegen. Es bleibt der ehrliche Blick auf die beiden Fragen:
Was hat der Hund bzw. das Team davon?
Welchen Preis muss der Hund dafür zahlen?
Es gibt sehr viele gute Gründe, Mantrailing als Hobby zu haben. Und so ist es in meinen Augen auch kein KO-Kriterium, wenn der Hund auch im Alltag überwiegend an der Leine ist.
Häufig sind es genau diese Teams, die besonders vom Trailen profitieren könnten. Ein gutes Leinenhandling ist da natürlich ein wertvoller Aspekt.
Ergänzend zum Hobby Mantrailing ist es für diese Teams besonders wertvoll, wenn sie Möglichkeiten finden können, bei denen der Hund sich ohne Geschirr und Leine frei und in seinem Tempo in einem Gebiet bewegen kann, das zur Erkundung oder zum Flitzen einlädt.
Genau dafür habe ich übrigens meine „etwas andere Hundewiese“ geschaffen. Ein Gelände, das Menschen für sich und ihren Hund zur Alleinnutzung mieten können.
So kann das Bedürfnis nach uneingeschränkter Bewegung im eigenen Tempo erfüllt werden. Ein Bedürfnis, das Mantrailing nicht erfüllt.
Mein Fazit
Eines ist klar: Ob die Leine nun gelb, orange oder lila ist, ob sie aus Gurtband, Leder oder Biothane ist, ist abgesehen vom zu berücksichtigenden Sicherheitsaspekt eine reine Frage der Vorlieben des Menschen.
Die Leine ist beim Mantrailing weit mehr als ein Stück Ausrüstung. Sie sichert den Hund, verbindet Mensch und Hund miteinander und ermöglicht Kommunikation in beide Richtungen.
Gerade deshalb lohnt es sich, dem Leinenhandling Aufmerksamkeit zu schenken. Denn die Art, wie wir die Leine halten, verlängern, verkürzen und die Verbindung gestalten, hat einen direkten Einfluss darauf, wie sich das Trailen für unseren Hund anfühlt.
Dabei bleibt auch das Leinendilemma bestehen: Mantrailing kann viele Bedürfnisse erfüllen, aber nicht alle. Es ersetzt weder freie Bewegung noch uneingeschränkte Erkundung der Umwelt. Umso wichtiger ist es, die Erfahrungen an der Leine so zu gestalten, dass sie für den Hund möglichst angenehm und unterstützend sind.
Für mich steht fest: Wenn schon ein Hobby an der Leine, dann wenigstens eines, bei dem das Wohlbefinden des Hundes nicht dem Trainingserfolg untergeordnet wird.
Ein gutes Leinenhandling ist dafür kein nebensächliches Detail. Es ist gelebte Verantwortung für die Verbindung zwischen Mensch und Hund.