Celestino

Geschätzte Lesedauer: 22 Minuten

Genau das warst Du:
One in a million – once in a lifetime!

Es fühlt sich noch gar nicht real an, dass Du nicht mehr da bist. Dass ich nicht einfach zum Stall fahren kann, um in Deine Augen zu blicken und über Deine sanfte graue Nase zu streichen. Gefühlt warst Du immer da, immer an meiner Seite. 

Ich möchte hier unsere Geschichte erzählen. Vom ersten bis zum letzten Tag. Unsere Highlights – und wir hatten so viele davon. Ich fange einfach von vorne an, die schönen Erinnerungen aufzuschreiben und festzuhalten. Schritt für Schritt, die wir gemeinsam gegangen sind:

Unser gemeinsamer Weg

Bevor sich unsere Wege gekreuzt haben

Am 17. April 2000 hast Du  in Sevilla das Licht der Welt erblickt. Dein Vater war Vinatero XII, Deine Mutter Trianera XX. In Deinen Papieren, die Dich als Pferd der reinen spanischen Rasse – P.R.E. ausweisen –  steht Dein offizieller Name: Celestino 1.

Celestino, der Himmlische. Für mich warst Du einfach meine Sternschnuppe, mein „Schnuppi“.

Im Jahr 2001 bist Du nach Bad Mergentheim umgezogen, ein bezaubernder Jungspund.

2004 Kennenlernen und Umzug nach Atzging

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Am 17.10.2004 haben wir uns das erste Mal gesehen. Ich habe Dein Bild in einem Onlineportal für Andalusier gefunden und Du hast mir direkt ins Herz geblickt. Also habe ich angefragt. Es stand noch ein Andalusier zum Verkauf dort und so haben wir ein Probereiten im Gelände vereinbart. Losgeritten bin ich mit Sancho, bei der Hälfte haben wir dann gewechselt und ich saß zum ersten Mal in Deinem Sattel. Krum und schief saß ich – aber ausgesprochen glücklich, denn es hatte „Klick“ gemacht.

Du hast mich auf diesem Geländeritt sofort überzeugt, denn auf dem Rückweg ist Sancho vor einem Traktor erschrocken und mit Deiner damaligen Besitzerin im Sattel in den Acker durchgegangen. 

Und Du? Nichts. Du bist einfach mit mir weiter auf der Straße geblieben, also ob nichts gewesen wäre.

Das habe ich mir immer gewünscht. Ein Pferd, mit dem ich mich sicher fühlen kann. Was für ein unbeschreibliches Gefühl, Dich gefunden zu haben.

Kennenlernen

Auch wenn meine Entscheidung sofort gefallen war, so einfach war es dann doch nicht. Denn erst da erzählte mir Deine damalige Besitzern, dass Du eigentlich gar nicht zum Verkauf stehst, denn Du wärest eigentlich ihr eigenes Pferd. Sie war einfach neugierig, wer sich für Dich melden würde…

Und dann hieß es warten. „Jede Diskussion endete bisher mit Tränen. Die Vernunft spricht natürlich für Sie.“

Gute vier Wochen musste ich warten, dann kam die erlösende Mail:  

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Sind aber jetzt der Meinung, dass wenn überhaupt ein Verkauf, dann nur an Sie.“

Freudestrahlend und jubelnd bin ich zur Beate gefahren, wo Deine neue Heimat sein sollte und wir beiden zusammen von Beate ausgebildet werden würden. Denn ich war damals Anfängerin und Du ein Jungspund.

Und dann die Hiobsbotschaft von Beate: „Mir ist heute die Pacht von dem Stall gekündigt worden. Ich muss mir was Neues suchen. Keine Ahnung wo. Natürlich kann er kommen und ich unterstütze Euch solange ich noch hier bin.“

Uns blieb also weniger als 6 Monate zusammen mit Beate auf ihrem Hof. Und ich dachte, dass mein Traum geplatzt ist. Ich habe mir nicht zugetraut, ohne Unterstützung mit einem Jungpferd, Du warst gerade mal viereinhalb Jahre, allein klarzukommen. Und ich hatte keine Ahnung wo ich danach mit Dir unterkommen könnte.

Es war Micha, der mir damals Mut machte und sagte: „Kämpfe um Dein Pferd. Du wirst das schon schaffen.“

Nun, soviel sei vorweg genommen. Wir haben es zusammen geschafft. 

Und so haben Michas bester Freund Klaus und meine sehr pferdeerfahrene Cousine Ute uns am 22.11.2004 auf den Weg gemacht, Dich aus Bad Mergentheim abzuholen.

Eine Fahrt, die ich nie vergessen werde. Ein Pferd. Ich habe ein Pferd. Aber es kam noch verrückter. Denn wir kamen auf der Autobahn an einem an der Mittelleitplanke auf der Seite liegenden Pferdehänger vorbei. Und wir sahen, dass ein Pferd in dem Hänger war. Ich weiß noch genau, wie Ute sagte: „Wir halten da jetzt schon an, oder?“. 

Also rechts ran auf dem Standstreifen. Von hinten durch einen ebenfalls stehenden LKW gut abgeblockt. Es stellte sich heraus, dass „Nancy“ ein Highlandpony in dem Hänger war. Auf den ersten Blick wohl unverletzt. Die Polizei ist schon unterwegs, um den Verkehr zu stoppen, um Nancy aus dem Hänger zu holen. Und wie es der Zufall (??? gibts den?) wollte, war der Zielort von Nancy ein Ort, der auf unserer Strecke lag. Und wir hatten einen Zweier-Pferdehänger mit einem freien Platz.

Also haben wir angeboten, dass wir Nancy, sofern sie in unseren Hänger einsteigt, nach Hause bringen würden. Weg von der Autobahn. Und siehe da: Nancy war nicht nur unverletzt sondern auch so cool, dass sie ohne zu Zögern in unseren Hänger zu Dir eingestiegen ist. Die Polizei war allerdings nicht besondes begeistert, dass wir sie gebeten haben, die Autobahn für das Verladen nochmals zu sperren.

Wir haben Nancy dann in den neuen Stall gefahren, zu dem sie unterwegs war und dort eine neue Portion Heu für Dich bekommen. Später haben wir erfahren, dass Nancy wirklich bis auf eine Schramme vom Halfter am Kopf völlig unverletzt war.

Spät abends sind wir dann in Atzging angekommen. Beate Meyer von „Freude am Reiten“ hat uns bereits herzlich willkommen geheißen und Du hast das Angebot, Dir in der Halle die Füße zu vertreten dankbar angenommen und hast Dich auch gleich gewälzt.

In Atzging haben wir dann noch viel von Beate lernen können und haben eine gute Basis gelegt. Arbeit nach Linda Tellington-Jones. Und wir sind sehr viel spazieren gegangen.

Beate hat uns geholfen, ein neues zuhause für Dich zu finden. Es wurde die Lost Wheel Ranch in Auersdorf, Kraiburg.

Denn mir war wichtig, dass Du in einem Offenstall leben kannst. Mit viel Bewegungsfreiheit sowie Kontakt mit Artgenossen. Da Du in Deinem ganzen Leben niemals Hufeisen gebraucht hast, war das eine gute Basis für die Aufnahme.

April 2005 Umzug nach Auersdorf - damals Lost Wheel Ranch

Am 30.04.2005 war es dann soweit. Wir sind nach Auersdorf gezogen. Wir wussten damals noch nicht, dass wir dort nicht lange bleiben konnten. Und wir wussten erst recht nicht, dass wir 10 Jahre später wieder dort ankommen und diesmal für immer bleiben würden.

Wir haben viel Zeit im Gelände verbracht. Allein – Du bist von Anfang an ohne Bedenken ganz allein mit mir ins Gelände gegangen. Ehrlich gesagt, waren unsere alleinigen Ausritte die entspanntesten. Nur wir beide in der der Natur. So wie ich es mir immer erträumt hatte.

Dort haben wir Kontakt zu Roger Kupfer und zur Sherwood Ranch geknüpft. Wie es das Schicksal so wollte war das unsere nächste Station. Wir mussten nämlich weg von Auersdorf.

April 2006 Umzug auf die Sherwood Ranch

Bereits im April 2006 sind wir dann auf die Sherwood Ranch gezogen. Du hast statt Offenstall dort eine schöne Paddockbox bekommen. Für mich – schwanger und später mit Säugling – war die Sherwood Ranch einfach wunderbar. Immer jemand da. Immer eine helfende Hand in Reichweite.

Ein großes Stüberl, tolles Ausreitgelände, ein Roundpen und eine große Reithalle, die damals vormittags häufig leer war.

Im Juli 2006 kam Sabrina auf die Welt. Und sehr bald stand in der leeren Reithalle ein Kinderwagen in der Mitte. Sobald Sabrina Hunger hatte hast Du selbständig durchpariert, bist zum Kinderwagen gegangen, ich bin abgestiegen und hab den Kinderwagen aus der Bahn zur Tribüne geschoben, Dich im Schlepptau. Auf der Tribüne saß ich dann, Sabrina stillend und mit einer Hand Deinen Zügel haltend. Und Du bist einfach dabei gestanden. Hast entlastet und einfach völlig entspannt gewartet, bis das Baby satt war und wir wieder weitergemacht haben. Als wenn es das Selbstverständlichste der Welt wäre…

Wie viele andere Mädchen, habe auch ich geträumt, dass ich mit meinem Pferd vor der Hochzeitskutsche zur Kirche fahre. Geträumt – getan. Durch unsere Bodenarbeit bestens vorbereitet, fiel es Dir sehr leicht, vor der Kutsche zu gehen. Das „Einfahren“ lief super glatt, Sepp Fuchs war begeistert. So war klar – Du wirst uns mit der Kutsche vom Gut Palmberg in Ampfing bis zur Kirche oben in Zangberg bringen – und wieder zurück.

7. Oktober 2006: Sabrinas Taufe und unsere kirchliche Trauung.

Du hast uns von Ampfing aus zur Kirche oben in Zangberg gefahren und nach dem Gottesdienst dann wieder zurück.

Als Überraschung für unsere Gäste haben wir Andrea Pulsinger (ehemals Kahn) für einen Showauftritt mit ihrem lackschwarzen P.R.E. Dorito eingeladen. Da entstand dann auch die Idee, mit Dir mal für eine Zeit in ihren Stall zu kommen, um gemeinsam Fortschritte zu machen.

Es war eine großartige Zeit auf der Sherwood Ranch. Wir haben viel zusammen erlebt. Spaziergänge mit Kinderwagen oder Sabrina im Tuch oder der Rückentrage. Wir waren in der Halle oder auf dem Platz unterwegs und viel im Gelände. Auch der Roundpen hat uns oft von innen gesehen. Für mich mit Säugling oder Kleinkind eine wunderbare Möglichkeit mit Dir was zu machen.

Später hast Du mich und Sabrina zusammen mit dem MuKi-Sattel getragen. Mit Dir ging sowas, weil ich wusste, dass Du absolut verlässlich bist.

Ich konnte Dich mit Sabrina auf dem Voltigierpad (praktisch wegen des angebrachten Griffes) longieren und auch im Gelände so spazieren gehen.

2009 haben wir dann unseren eigenen Pferdehänger gekauft, um mobil zu sein. Ab da haben wir dann auch Ausflüge mit dem Hänger gemacht. Der erste ging zu uns in den Garten.

Für den Juni 2009 hab ich mich mit Dir bei der „Gelassenheitsprüfung der Cavallo“ angemeldet, die wir beide mit Bravour bestanden haben. Die einzige echte Prüfung, die wir beiden gemacht haben. Ich bin nicht so der Prüfungs-Mensch. Wir waren gleich das erste Team der Prüfung und als wir den Platz verließen, haben mich viele angesprochen: Was für ein wunderhübscher Spanier Du doch bist und dass wir gemeinsam die Messlatte für die folgenden Teams ziemlich hoch gehängt hätten.

Dabei haben wir das gar nicht so viel geübt, denn Dein Vertrauen in mich und Dein ausgeglichener, grundehrlicher, großartiger Charakter kamen uns da sehr zu Gute. Ich war sooooo stolz auf Dich!

Und es gab noch einen Ausflug 2009: Im September durftest Du mit meiner Cousine Tine zum Mike Geitner. Tine hat bei ihm eine Weiterbildung zur Dual-Aktivierung gemacht. Da sie in Frankreich lebte und für den Kurs bei uns wohnte, kam der Gedanke auf, ob sie Dich zum Kurs mitnehmen dürfte. Ich vertraute Tine und auch Mike Geitner und mit einigen Absprachen warst Du dann dabei. Du durftest sogar eine aktive Rolle für mehr als Tine beim Ablegen der Prüfung spielen.

Ich erinnere mich auch noch an eine wunderschöne Veranstaltung in Töging. Eine ganz besondere Gaudirallye, denn ein Teilnehmer war mit dem Pferd unterwegs, der andere mit dem Fahrrad. So war das DIE Veranstaltung für uns. Ich bin geritten, Micha ist geradelt mit einem Anhänger, in dem Sabrina saß. Durch den Radanhänger hatten wir natürlich taktische Vorteile (das rohe Ei zu transportieren war für uns mit Brotzeitdosen im Radlhänger überhaupt keine Herausforderung). Du hast mich so sicher durch die Strecke getragen, dass ich unterwegs das geforderte Gedicht auswendig lernen konnte.

Geschicklichkeitsaufgaben? Geschenkt. Blind reiten auf Zuruf des Partners? Mit Dir machbar. Leider habe ich keine Fotos mehr von der Veranstaltung, aber in meiner Erinnerung ist noch alles sehr präsent. Wir waren ein tolles Team, wir vier.

November 2009 Umzug zum Katharinenhof

Im November 2009 sind wir dann zum Gut Katharinenhof gezogen. Eine sehr bewegte Zeit dort. Du warst dort allerdings nicht glücklich. Wir haben unser Bestes gegeben, das zu ändern. 

In diese Zeit fiel auch der „Ausflug“ in die Tierklinik am Englischen Garten in München. Eine Augenuntersuchung stand aus. Was für ein Schreck, als ich an dem Untersuchungstag Deine Box leer vorgefunden habe. Sie haben einfach früher angefangen. Mit Nasenbremse standest Du im Untersuchungstand, zig Student*innen um Dich rum. Erst als ich da war, konntest Du für die Untersuchung sediert werden.

Damals war ich zu „klein und unsicher“, um was zu sagen. Heute hätte ich sicher deutliche Worte zu dem Vorgehen gefunden. Vergessen werde ich auch nie die Stunden, die wir vor dem Hänger verbrachten, bevor wir dann heimfahren konnten. Als Du endlich eingestiegen bist (und all die Schlauköpfe haben es  mit ihren Tipps und Eingreifen nur schlimmer gemacht)  war ich so erleichtert, dass die Fahrt durch München mit Pferdehänger keine Belastung mehr war. Mit meiner Freundin Antje an der Seite haben wir das gut durchgestanden.

Diagnose war übrigens Nahtstar. Also in jedem Auge ein Stern, aber keine Beeinträchtigung.

Auf dem Gut Katharinenhof fand ein spannendes Fotoshooting statt:

November 2010 Umzug nach Attenberg

Im November 2010 habe ich Dich dann nach Attenberg geholt. Ein Offenstall ganz in meiner Nähe. Das war unsere Zeit der Ausritte und großer Abenteuer. 

Spaziergänge im Vollmond, Winterausritte im Wald, schnelle Runden mit Antje und Penny, große Runden mit Beate und Fino. Einmal sogar zu unserem Haus.

2011 haben wir einen Ausflug zu Beate gemacht: Zur Erföffnung ihres Tellington Zentrums. Linda Tellington-Jones war persönlich da! Auf dem Pressefoto bist Du zusammen mit Beate und Linda zu sehen. 

Wir haben – völlig ohne es mit Beate nochmal zu proben – freies Longieren zu zweit gemacht. Du hast den Song „I did it my way“ sehr gut interpretiert. Es war eine Vorführung, die viele Herzen berührt hat. Und den ein oder anderen Lachmuskel.

Unsere große Wanderung  in der Oberpfalz im August 2012.

Wir haben einen Kollegen von Micha auf seiner Wanderung vom Chiemsee zur Ostsee eine Woche lang begleitet. Von Regensburg bis nach Schwarzenfeld. Was für eine Woche, was für eine außergewöhnliche Wandergruppe. Vier Erwachsene, ein 6-jähriges Kind, ein Hund und Du. 

So viele Pferdemenschen haben mir gesagt: „Er allein? Kein anderes Pferd mit unterwegs? Das wird schwierig! Das geht nicht!“ Mir war klar, dass die gesamte Tour ein großes Abenteuer wird. Und dass wir sicher einige Herausforderungen zu bewältigen haben werden, aber dass Du allein mit mir mitgehst… das wusste ich. Ich war mir sicher, dass das kein Problem sein wird. Ich behielt Recht. Mit allem.

Die Strecke und die Stationen waren weit im Vorfeld geplant und organisiert. Mit einem Pferd kann man ja nicht mal eben so eine Unterkunft für eine Nacht finden und ich wollte natürlich dafür sorgen, dass Du Dich von der Tageswanderung gut erholen konntest. Du wurdest mit Satteltaschen ausgestattet. Anja hat extra dafür eine wunderbare Satteldecke für Dich gefilzt. Ein Traum. Alles, was wir unterwegs für Dich brauchten hast Du selbst getragen. Und hin und wieder auch Sabrina. Wenn sie  müde wurde. Einmal ist sie sogar auf Dir eingeschlafen. Beim Reiten.

Wir starteten in Regensburg, am schönen Biergarten am Adlersberg. Da blieb unser Gespann stehen und wir liefen los. Es war unglaublich heiß in dieser Woche, so dass wir die geplante Route entlang der Naab nicht nehmen konnten. Wir haben uns von Wald zu Wald geschlagen. Müde und glücklich nach einem gelungenen Auftakt kamen wir am Tagesziel an. Wir übernachteten in einer Pension in Wolfsegg, Du in einem nahegelegenen Pferdehof in Schwarzhöfe.

Tag 2 hat uns von Wolfsegg nach Neuried geführt. Dort konnten wir alle zusammen im Stall übernachten. In der Nacht gabs dann etwas Tumult, weil die Pferde schnell mitbekommen hatten, dass der Strom aus war (uns zu Liebe, damit das Gerät nicht so einen Lärm macht). So liefen sie frei über den Hof. Es hat etwas gedauert, bis die alle wieder sortiert auf ihren Weiden und Offenställen waren.

Der Weg nach Burglengenfeld an Tag 3 war die einzige Strecke, bei der wir eine kurze Strecke auf einer großen stark befahrenen Straße gehen mussten. Dir waren die an uns vorbeidonnernden Fahrzeuge tatsächlich egal. Aber wir waren dann doch froh, wieder auf kleinere Wege ausweichen zu können. Die Gastfreundschaft unterwegs war großartig. Wann immer wir nach Wasser für Dich gefragt haben, bekamen wir meistens noch Äpfel und Möhren oben drauf. Manchmal wurden auch wir Menschen gefragt, ob wir was Trinken wollen…

Die Nacht in Burglengenfeld war unruhig. Dein Boxennachbar war nicht von Dir begeistert und ich habe Dich mit einger großen Schramme am Bein vorgefunden. Was für ein Schreck. Wir haben dann dort Gepäck von Dir zurückgelassen, damit Du etwas leichter bepackt den Rest der Strecke antreten konntest. Und wiedermal bist Du einfach mit uns mitgelaufen. Weg von allen Pferden. Mit Schramme. Ich bin immer noch voller Dankbarkeit darüber!

Nächstes Etappenziel war Schwandorf. Es war die längste Einzeletappe, und das bei knapp 30 °C. Und es war die aufregendste Etappe der Wanderung. Von plötzlich auf Wald-Parkplätzen auftauchenden Bäckerwagen für hungrige Wandersleut bis hin zu einigen beherzten Galoppsprüngen durch einen Bachlauf Deinerseits. Du hast die heikle Lage mit der Bachquerung als einziger realistisch eingeschätzt und bravourös gemeistert. Was war ich stolz und im Nachhinein auch erleichtert. Im Gelände war echt immer Verlass auf Dich, mein Großer! Körperlich und mental erschöpft haben wir die Etappe beendet. 

In der großen Reitanlage in Schwandorf wurden wir extrem herzlich aufgenommen und Du hast eine gemütliche Box für die Nacht bekommen. In der Früh sogar eine eigene Parzelle auf der Weide nur für Dich!

Und so konnten wir uns glücklich und gleichzeitig wehmütig auf die letzte Etappe machen. Nach Schwarzenfeld. Dort hat man uns unseren Hunger wohl schon auf die Entfernung angesehen, denn eine vorbeifahrende Frau hat uns ihre Rohrnudeln angeboten, die sie eigentlich gerade einer Freundin bringen wollte. Sowas erlebt man auch nur auf solchen Touren. Aber wir waren schon auch eine auffällige Wandergruppe.

Es war absolut nicht selbstverständlich, dass Du dieses Abenteuer so großartig gemeistert hast. Es war ein ganz besonderes Erlebnis wirklich den ganzen Tag zusammen unterwegs zu sein, ja sogar mal im gleichen Stall zu schlafen. Hat sich ein bisschen wie die Erfüllung eines kühnen Kindheitstraums angefühlt. 

Viele Jahre Family Time in Attenberg. Unterwegs, auf dem Platz oder einfach beim Putzen und Miteinander sein. 

September 2015 zurück nach Auersdorf - diesmal für immer

Im September 2015 hat sich dann der Kreis geschlossen. Wir sind zurück nach Auersdorf – jetzt im Besitz von Nicole und Jürgen. Wir haben den Weg von Attenberg nach Auersdorf zusammen zu Fuß zurückgelegt. Lange habe ich geplant, welche Strecke die beste ist. Wo überqueren wir den Inn, wo den Innkanal? Letztlich bin ich einen Großteil der Strecke dann mit dem Rad abgefahren.

Und dann haben wir uns zusammen auf den Weg gemacht in Dein neues zuhause. Wieder zurück nach Auersdorf. Der Hof war inzwischen ein echtes Schmuckstück geworden! 

Fast 11 Jahre waren wir dann dort. Anfangs waren es viele Pferde, die letzten Jahre eine super stabile Kleingruppe aus 4 Wallachen.

Dort habe ich auch einen Traum erfüllt, von dem ich nicht glaubte, dass ich es schaffen werde: Ich habe von Deinem Rücken aus im Galopp einen Pfeil mit dem Bogen auf der Zielscheibe versenkt. Du warst einfach so ein unglaublich cooles Pferd. Einschlag von Pfeilen im Ziel? Kein Problem. Hantieren mit Pfeil und Bogen vom Sattel aus? Kein Problem. Flirren des Pfeiles und der Bogensehne? Kein Problem. Klappern der Pfeile im Köcher? Kein Problem.

Wir hatten sehr viel Spaß zusammen. Ausritte in alle Himmelsrichtungen, Freispringen, Horse Agility, Dualgassen und Equikinetic, Fahren vom Boden, im Winter auch mal einen Schlitten mit Kindern übes Land gezogen.

Und dann kam im Sommer 2018 der Tag, an dem ich beschlossen habe, nicht mehr zu reiten. Ich hatte mir im Juni den kleinen Zeh gebrochen und konnte mehrere Wochen nicht reiten. Du hast mir gezeigt, dass Du das Reiten in keinster Weise vermisst und mir ging es genauso. Ich weiß also gar nicht mehr bewusst, wann ich das letzte Mal in Deinem Sattel saß. Wann unser letzter gemeinsamer Ausritt war.

Du hast mich in all den Jahren von jedem Ausritt heil nach Hause gebracht. Du warst immer sehr klar in der Kommunikation. So waren wir einfach unglaublich sicher unterwegs.

Du wurdest also „Privatier“, wie ich es immer genannt habe, denn für einen Rentner warst Du mit 18 einfach noch zu jung.

Was hatten wir für herrliche Spaziergänge. Es war immer so entspannt, mit Dir durch die Natur zu laufen. Ok, der ein oder andere Grasbüschel war sehr verlockend für Dich und Du musstest einfach naschen. Aber sonst? Fahrzeuge aller Art – nie ein Problem. Fasane, die direkt vor oder neben Dir aufgefolgen sind? War was…

Nur die Dehnungsfugen von Brücken, die fandest Du grundsätzlich ziemlich gruselig. Es hat immer einiges an Überzeugungsarbeit gebraucht – und es war immer nur die Dehnungsfuge auf die Brücke. Die von der Brücke wieder auf „festen Boden“ war danach nie ein Thema. 

Besucher sagten gerne, wir beide wären wie in altes Ehepaar: Perfekt aufeinander eingespielt. So waren wir. Immer bist Du gekommen, hast Deine Nase ins Halfter gesteckt und bist einfach selbstverständlich mit mir mitgelaufen. Ob wir was zusammen gemacht haben, oder einfach nur geputzt und gekrault oder einfach aneinandergelehnt gemeinsam die Vertrautheit genossen haben… Du hast mir sehr genau zu verstehen gegeben, wenn Du wieder zu Deinen vierbeinigen Freunden raus wolltest. Kein einziges Mal hast Du gezögert, wieder zu den Pferden rauszugehen.

16. Mai 2026 - Der Abschied

März 2026

16. Mai 2026

Ein letztes Mal Deine Ohren kraulen, über Deine samtweiche Nase streicheln. Mein Versprechen, dass Du bist zu Deinem letzten Atemzug bei mir sein wirst, habe ich gehalten. Und ich saß neben Dir, als Du Deinen letzten Atemzug getan hast, meine Hand auf Deiner Stirn.

Regenbogen über Auersdorf

2. Juni 2026

Ich habe Deine Asche heim geholt. „Celestino“ steht in Goldlettern auf der Alabaster Urne – in genau dem Schriftzug wie auf meinem Kappi, das ich vor zig Jahren bei einem Event auf der Sherwood Ranch habe besticken lassen. Ich habe dieses Kappi geliebt und so viel getragen. Am Tag Deines Todes habe ich es neben Dein Bild an die Wand gehängt. Darunter steht nun Deine Urne. Gefüllt mit einem Teil Deiner Asche.

Aber es ist so viel mehr als diese Dinge, die zurückbleiben. Es ist die Erinnerung an 22 großartige Jahre mit Dir an meiner Seite.

Danke Schnuppi,
Du warst mein allergrößter Lehrmeister und Seelenverwandter. Du fehlst. Danke für jeden einzelnen Schritt, den Du mit mir gegangen bist.

9 Kommentare

  1. Auch mir bleibt Celestino unvergesslich. Er hat mich zum Reiten gebracht. Ein Geschenk für das ich ihm ewig dankbar sein werde.

  2. Liebe Astrid,
    Mir fällt ein Gedicht von Sylvia Raßloff dazu ein:
    Es sind die ohne Schuhe, die jeden Weg mit uns gehen. Es sind die ohne Geld, die uns all das geben, das unbezahlbar ist. Es sind die, die nichts versprechen, die uns niemals enttäuschen. Es sind die, die nichts besitzen, die uns oft mehr geben können, als die meisten Menschen.
    Celestino wird dich überall begleiten🌈❣️

  3. So ein wunderschöner Nachruf und eine ganz besondere Verbindung, die ihr hattet. Danke, dass du diesen liebevollen Text mit mir geteilt hast. 💕

    1. Zu Schreiben ist so wertvoll! Seine Geschichte zu teilen macht den Schmerz des Verlustes leichter zu ertragen, denn das Glück und die Dankbarkeit bekommen mehr Gewicht!

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Ich bin Astrid Sperlich, Fachfrau für ein Mantrailing Training, das Mensch-Hund Teams zum Strahlen bringt.

Mit fachlichem Scharfsinn und Blick auf die Bedürfnisse beleuchte ich Dein Training von allen Seiten. Ich unterstütze Dich dabei, Deinen Weg als Mantrailing Trainer*in zu finden. Vor Ort in Oberbayern & online, persönlich & in einer starken Gemeinschaft.

Für den IBH leite ich die Mantrailing-Trainer*innen Weiterbildung, die den Schwerpunkt auf Enrichment setzt. Meine Mission: Mensch & Hund mit Mantrailing wirklich glücklich machen und nicht nur auslasten. Probleme lösen, statt neue schaffen.