Das laute Schweigen der Warnwesten

Neun Warnwesten in unterschiedlichen Farben hängen nebeneinander im Freien mit dem Schriftzug: Das laute Schweigen der Warnwesten
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Das Wichtigste in Kürze

🦺 Warnwesten beim Mantrailing sind Informationsträger. Sie dienen der Sichtbarkeit und Sicherheit, können aber auch Zugehörigkeit, Verantwortung und die Einordnung als Trainingssituation vermitteln.

🦺 Wer die Warnweste trägt, beeinflusst ihre Wirkung. Trainingsgruppe, Leitung des Trainings, trailendes Team und Zielperson senden damit unterschiedliche Informationen an ihre Umgebung.

🦺 Farbe, Helligkeit, Kontrast und Reflexion beeinflussen die Sichtbarkeit einer Warnweste. Welche Gestaltung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Umgebung und Lichtverhältnissen ab.

🦺 Warnwesten wirken auch auf die Menschen, die sie tragen. Sichtbarkeit kann Sicherheit und Zugehörigkeit vermitteln, sich für manche Menschen aber auch unangenehm anfühlen.

🦺 Auch Hunde können Warnwesten als visuelle Information wahrnehmen und wiedererkennen. Farbe, Helligkeit und Kontrast spielen dabei eine Rolle. Das kann sowohl erwünscht als auch problematisch sein.

🦺 Eine Warnweste kann bewusst Teil des Startrituals beim Mantrailing sein. Gleichzeitig kann eine regelmäßig von Zielpersonen getragene Weste zu einem zusätzlichen Hinweis neben dem Geruch und Teil eines wiederkehrenden „Opferbildes“ werden.

🦺 Die optimale Warnweste gibt es nicht. Auswahl, Gestaltung und Träger*in sollten davon abhängen, für wen sie welche Information vermitteln soll und welche zusätzlichen Informationen möglichst vermieden werden sollen.

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Mal sind sie Pflicht, mal verpönt. Mal im Hundeschulendesign, mal minimalistisch, mal aufwändig mit Taschen, mal mit Aufdruck, mal ohne. Mal tragen sie alle, mal keiner. Wovon ich rede? Von Warnwesten beim Mantrailing.

Schauen wir uns dieses Stückchen Stoff und seine Auswirkungen mal etwas näher an:

Information nach Außen

Warnwesten ziehen wir in erster Linie an, um den Menschen in unserer Umgebung auf dem Trail etwas mitzuteilen. Meist geht es um Sicherheit, aber auch Zugehörigkeit und Einordnung spielen eine Rolle.

Aber schauen wir uns zunächst einmal an, welche Funktion Warnwesten haben und welche Botschaft sie vermitteln. 

Die Warnweste spricht

Die Wirkung der Warnweste besteht für mich aus zwei Stufen. Zuerst sagt sie „Hier bin ich“  und dann soll sie eine konkrete Botschaft vermitteln. Hier wird’s dann schon spannend, denn das können durchaus unterschiedliche Botschaften sein. 

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Schritt 1 Aufmerksamkeit: Achtung, bitte nimm mich wahr!

Das ist der erste und wichtigste Effekt einer Warnweste: „Nimm mich wahr. Das ist für uns beide wichtig!“ Denn erst wenn die Weste die Aufmerksamkeit geweckt hat, kann sie noch mehr erzählen.

Und damit eine Weste die Aufmerksamkeit des Gegenübers erwecken kann, muss sie so beschaffen sein, dass sie gesehen wird. 

Dabei spielt zunächst die Farbe eine Rolle. Leuchtende, fluoreszierende Farben, die typischen Warnwesten also,  können vor allem bei Tageslicht und in der Dämmerung dafür sorgen, dass wir uns deutlich von unserer Umgebung abheben. Reflexstreifen haben dagegen ihre große Stunde, wenn z.B. das Scheinwerferlicht eines Autos auf sie trifft. Sie werfen einen Teil des Lichts in Richtung der Lichtquelle zurück. Je nach Qualität unterschiedlich gut und können uns dadurch bei Dunkelheit entsprechend deutlich oder früher erkennbar machen.

Wie auffällig eine Warnweste tatsächlich ist, hängt allerdings nicht nur von ihrer Farbe ab, sondern auch vom Kontrast zu ihrer unmittelbaren Umgebung.

Und die beginnt bereits bei der Kleidung darunter. Eine rote Weste kann sich auf einer schwarzen Winterjacke sehr deutlich abheben. Im Sommer, wenn rundherum Menschen in bunten T-Shirts unterwegs sind, fällt dieselbe Weste möglicherweise schon deutlich weniger aus dem Gesamtbild heraus.

Auch die Umgebung, in der wir trailen, verändert die Warhnehmung. In der Stadt bewegen wir uns zwischen Hausfassaden, parkenden Autos, Schaufenstern, Verkehrsschildern und vielen unterschiedlich gekleideten Menschen. Im Park kommen große Grünflächen, Bäume, Wege und vielleicht wieder viele Spaziergänger*innen dazu. Auf Feld und Wiese dominieren je nach Jahreszeit Grün-, Gelb- oder Brauntöne. Und im Wald bilden Stämme, Laub, Schatten und Vegetation noch einmal einen ganz anderen Hintergrund.

Dieselbe Warnweste kann deshalb an einem Trailort sofort ins Auge springen und am nächsten deutlich weniger auffallen.

Dazu kommen Wetter, Tageszeit und Jahreszeit. Nebel, Regen oder Schnee verändern Kontraste. Und bei Dunkelheit tritt die eigentliche Farbe zunehmend in den Hintergrund. Dann werden Hell-Dunkel-Kontraste und reflektierende Flächen besonders wichtig.

Es gibt deshalb nicht die eine Westenfarbe, die unter allen Bedingungen am besten sichtbar ist. Entscheidend ist immer die Kombination aus Farbe, Helligkeit, Reflexion, Kleidung, Hintergrund und Lichtverhältnissen.

Oder anders gesagt: Eine Warnweste kann nur dann laut „Hier bin ich!“ rufen, wenn sie in genau dieser Situation auch auffällt.

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Schritt 2 Botschaft: Deswegen trage ich die Weste

Und erst wenn die Warnweste aufgefallen ist, kann sie überhaupt eine Botschaft übermitteln. Allerdings haben wir wohl alle schon erfahren, dass die Botschaft, die wir mit einer Warnweste senden wollen, und die, die bei unserem Gegenüber tatsächlich ankommt, nicht immer identisch sind.

Aber was wollen wir mit dem Tragen einer Warnweste eigentlich sagen?

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Hallo Fahrzeuglenker*in, hab uns bitte im Blick

Als trailendes Team bewegen wir uns anders als Menschen, die mit ihrem Hund spazieren gehen. Zumal beim Trailen der Hund deutlich vor dem Menschen läuft. Alles in allem sind wir also keine ganz alltägliche Verkehrssituation.

Mit der Warnweste möchten wir deshalb nicht nur sagen: „Hier bin ich!“ Es steckt auch die Hoffnung darin: „Bitte nimm Rücksicht auf uns. Rechne damit, dass wir uns vielleicht ungewöhnlich verhalten.“

Je früher und deutlicher wir wahrgenommen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Menschen auf uns achten, ihr Tempo anpassen und sogar bremsbereit sind.

Natürlich kann die Warnweste keine Rücksichtnahme garantieren. Und sie ist auch kein Freifahrtschein für regelwidriges Verhalten. Die Verantwortung für die Sicherheit liegt immer noch bei uns selbst. Aber die erhöhte Sichtbarkeit durch die Warnweste kann dazu beitragen, dass wir im Straßenverkehr etwas sicherer unterwegs sind.

🫸

Bitte halte Abstand, wir trainieren

Hundebegegnungen auf dem Trail sind spannend. Gerade weil viele Teams Mantrailing als Enrichment nutzen, um an diesem Thema zu arbeiten. Aber auch Hunde, die Artgenossen gegenüber sonst aufgeschlossen sind, können auf dem Trail eher abweisend reagieren. Die Hoffnung ist also, dass andere Menschen mit Hund anhand der Warnweste darauf schließen, dass wir gerade nicht einfach spazieren gehen und auch nicht an einem Kontakt interessiert sind.

Klappt oft, aber nicht immer. Selbst wenn die Botschaft ankommt, heißt das leider nicht automatisch, dass andere Menschen darauf Rücksicht nehmen.

👌

Wir trainieren nur, kein Grund zur Sorge

Ein großer schwarzer Hund, der an gespannter Leine fünf Meter vor seinem Menschen läuft …
Hat dieser Mensch seinen Hund noch unter Kontrolle? Bin ich in Gefahr?

Eine Gruppe von Menschen mit Warnwesten, darunter ein Mensch mit einem Hund an langer Leine voraus …
Ist hier etwas passiert? Wird jemand gesucht? Kann ich hier einfach weitergehen?

Wer Mantrailing kennt, denkt vermutlich: Da trailt ein Hund.
Wer Mantrailing nicht kennt, muss die Situation erst einmal irgendwie einordnen.

In diesen Fällen bekommt die Warnweste plötzlich noch eine weitere Aufgabe. Sie soll uns nicht nur sichtbar machen, sondern im besten Fall auch unseren Mitmenschen dabei helfen, die Situation einzuordnen.

Spätestens hier spielt deshalb die Gestaltung der Weste eine Rolle. Denn eine Warnweste ist eben nicht nur eine leuchtende Fläche. Farbe, Aufdruck, Logo oder Beschriftung können zusätzliche Informationen liefern.

Steht beispielsweise der Name einer Hundeschule auf der Weste oder ist klar erkennbar, dass hier Mantrailing trainiert wird, kann das helfen, die Situation als Training einzuordnen. Eine Weste mit einer Beschriftung, die nach offizieller Suche oder Einsatz klingt, kann dagegen möglicherweise genau den gegenteiligen und in unserem Fall falschen Eindruck verstärken.

Auch die Assoziation mit einer Farbe kann dabei eine Rolle spielen. Farbe, Beschriftung und das gesamte Erscheinungsbild ergeben zusammen ein Bild – und dieses Bild versuchen Menschen innerhalb weniger Sekunden einzuordnen.

Die Botschaft „Wir trainieren nur, kein Grund zur Sorge“  sehe ich als Teil unserer Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und daher als anzustrebendes Ziel an.

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Wir sind eine Gemeinschaft

Tragen mehrere Menschen einer Trainingsgruppe die gleichen Warnwesten, kommt noch eine weitere Botschaft dazu: Wir gehören zusammen. Vielleicht tragen die Westen das Logo der Hundeschule, vielleicht einen gemeinsamen Schriftzug oder sind durch Farbe und Gestaltung eindeutig als zusammengehörig zu erkennen. Damit wird Zugehörigkeit auch nach außen sichtbar.

Und darin steckt durchaus eine Aussage: Du findest gut, was Du hier siehst? Das sind wir. So trainieren wir. Zu dieser Hundeschule oder dieser Person gehören wir.

Wenn wir unsere Zugehörigkeit so sichtbar nach außen tragen, empfiehlt es sich natürlich, möglichst positiv aufzufallen. Denn mit der gemeinsamen Weste sind wir nicht mehr anonym. Jeder kann sehen, wie wir mit unseren Hunden umgehen. Wie wir uns gegenüber anderen Menschen verhalten, ob wir Rücksicht nehmen. Wie wir als Gruppe im öffentlichen Raum auftreten.

Mit diesem Auftreten und dem Verhalten von uns und unseren Hunden machen wir Werbung für die Hundeschule. Wir schaffen Wiedererkennungswert und stehen öffentlich für unser Verhalten ein.

Wenn Du bei der Frage „Möchte ich, dass Menschen meine Hundeschule gut sichtbar mit dem verbinden, was sie hier gerade beobachten?“ etwas Bauchschmerzen hast, lohnt sich ein genauerer Blick darauf, woher dieses Gefühl kommt.

Vielleicht fühlst Du Dich grundsätzlich nicht besonders wohl damit, so sichtbar zu sein. Darauf kommen wir später noch zurück.

Aber geh auch einmal ehrlich in Dich: Liegt es vielleicht daran, was Außenstehende bei Euch beobachten und anschließend mit Deiner Hundeschule verbinden könnten?

Dann würde ich tatsächlich dort ansetzen. Schau Dir an, was Dir daran Bauchschmerzen macht – und finde Möglichkeiten, Dein Training so zu gestalten, dass Du wieder mit gutem Gefühl und gut sichtbar Deine Warnweste tragen kannst.

 

Wer trägt die Warnweste?

Die Frage nach dem Tragen von Warnwesten wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Von „alle müssen Warnwesten tragen“ bis zu „wenn Du unbedingt willst, zieh eine an“ ist eine große Bandbreite.

Es macht tatsächlich einen großen Unterschied, ob die gesamte Trainingsgruppe eine Warnweste trägt, nur die Leitung, nur das trailende Team, oder nur die Zielperson.

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Die Gruppe

Trägt die gesamte Trainingsgruppe Warnwesten, verändert sich die Wirkung noch einmal. Eine einzelne Warnweste macht zunächst einen Menschen sichtbar. Eine ganze Gruppe in Warnwesten macht die Gruppe sichtbar.

Je größer die Gruppe ist und je einheitlicher die Westen gestaltet sind, desto stärker kann dieser Effekt werden. Aus einzelnen Menschen, die zufällig am gleichen Ort stehen könnten, wird auch für Außenstehende erkennbar: Die gehören zusammen. Hier findet gerade etwas Organisiertes statt.

Damit verstärkt sich natürlich auch die Botschaft „Wir sind eine Gemeinschaft“, über die wir gerade schon gesprochen haben. Gleichzeitig zieht die Gruppe als Ganzes mehr Aufmerksamkeit auf sich. Wer an ihr vorbeikommt, nimmt möglicherweise gar nicht zuerst das einzelne trailende Team wahr, sondern eine Gruppe von Menschen, die durch ihre Warnwesten optisch miteinander verbunden ist.

Und auch hier gilt wieder: Mehr Sichtbarkeit bedeutet mehr Aufmerksamkeit – aber noch lange nicht, dass Außenstehende die Situation genauso einordnen, wie wir es uns wünschen. Je nach Gestaltung und Auftreten kann eine größere Gruppe in Warnwesten schließlich auch besonders „offiziell“ wirken.

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Die Leitung des Trainings

Ist die Leitung des Trainings durch Warnweste (aber auch durch Hundeschullogo oder entsprechende Kleidung) klar erkennbar, kann das für Außenstehende eine wichtige Information liefern: Hier gibt es jemanden, der für diese Gruppe verantwortlich und ansprechbar ist.

Wenn allerdings die gesamte Gruppe einheitlich gekleidet ist oder die gleichen Warnwesten trägt, kann genau diese Zuordnung wieder schwieriger werden. Die Gruppe ist dann zwar hervorragend als Gruppe erkennbar – wer darin die Verantwortung trägt, möglicherweise weniger.

Wer eine Frage hat, sich durch das Training gestört fühlt oder sich über etwas ärgert, muss nicht erst herausfinden, wen er ansprechen kann. Die Trainingsleitung zeigt sich als Ansprechpartner*in und übernimmt damit auch nach außen sichtbar Verantwortung für das Training.

Das kann gleichzeitig die Kund*innen schützen. Denn wenn jemand mit einer Situation unzufrieden ist, muss sich nicht der Mensch rechtfertigen, der gerade mit seinem Hund trailt oder vielleicht ohnehin genug damit zu tun hat, seinen Hund durch die Situation zu begleiten. Die Kritik darf bei der Leitung des Trainings landen.

Die klare Erkennbarkeit kann damit nach außen ziemlich deutlich sagen: „Wenn Du ein Problem mit dem hast, was wir hier tun, sprich mich an.“

 

🦺🐾

Das trailende Team

Trägt nur das gerade trailende Team eine Warnweste, liegt der Fokus deutlich auf diesem Menschen und seinem Hund. Das Team sticht aus der Gruppe der Menschen deutlich heraus.

Damit werden auch die oben genannten Botschaften „Nimm uns bitte wahr. Nimm Rücksicht auf uns. Halte Abstand.“ in den Vordergrund gerückt. Die Aufmerksamkeit richtet sich gezielt auf das Team, das sich anders bewegt, als Passant*innen es erwarten.

Die Warnweste lenkt den Blick damit genau dorthin, wo in diesem Moment etwas Ungewöhnliches passiert: auf das Team mit Hund.

 

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Die Zielperson

Es gibt gute Gründe, dass Zielpersonen eine Warnweste tragen. Denn seien wir ehrlich: Zielpersonen verhalten sich manchmal ziemlich unüblich.

Sie stehen längere Zeit an einer Straßenecke herum, warten vor einem Hauseingang, sitzen irgendwo auf einer Bank, verschwinden hinter einem Gebäude oder laufen mit einem Funkgerät durch die Gegend. Alles völlig harmlos – wenn man weiß, dass gerade ein Mantrailing-Training stattfindet.

Für Außenstehende ist dieser Zusammenhang aber nicht unbedingt erkennbar. Eine Warnweste kann dabei helfen, der Situation einen anderen Rahmen zu geben: Diese Person steht hier offenbar nicht zufällig herum. Sie gehört zu irgendeiner organisierten Tätigkeit.

Das kann gerade an Orten wichtig sein, an denen längeres Beobachten oder Herumstehen schnell verdächtig wirken kann. Ein erwachsener Mann, der längere Zeit in der Nähe eines Spielplatzes wartet, wird möglicherweise anders wahrgenommen, wenn Warnweste und Funkgerät signalisieren: Diese Person hat kein Problem damit, aufzufallen. Sie versteckt sich nicht.

Gleichzeitig kann diese Erkennbarkeit auch der Zielperson selbst ein Stück Sicherheit geben. Gerade in Verbindung mit einem Funkgerät wird deutlich: Diese Person ist nicht allein unterwegs. Es gibt andere Menschen, mit denen sie in Kontakt steht und die wissen, wo sie ist. Damit wirkt sie möglicherweise auch weniger wie ein leichtes Ziel für jemanden, der nichts Gutes im Sinn hat.

Die Warnweste kann bei der Zielperson also etwas beinahe Gegensätzliches leisten: Sie macht sie auffälliger – und kann sie gerade dadurch unauffälliger im Sinne von weniger verdächtig machen.

 

Allerdings hat diese zusätzliche Auffälligkeit auch eine Kehrseite. Denn die Warnweste macht die Zielperson nicht nur für Menschen leichter erkennbar. Auch für den Hund kann sie zu einer zusätzlichen Information werden.

Das schauen wir uns ausführlich in dem Abschnitt „Information für den Hund“ an.

Auswirkung nach Innen

Aber die Warnweste macht noch etwas anderes. Sie wirkt auch auf die Person, die sie trägt. Und das ist sehr individuell.

Wenn sich Sichtbarkeit nicht gut anfühlt

Bisher ging es darum, dass eine Warnweste uns sichtbar macht. Und meistens klang das ziemlich positiv. Aber sichtbar zu sein, fühlt sich nicht für jeden Menschen gut an.

Manche Menschen fühlen sich wohler, wenn nicht jeder Blick auf ihnen landet und sie nicht schon von weitem deutlich erkennbar sind. Gerade ihnen kann das Gefühl, nicht aufzufallen, Sicherheit geben.

Ganz besonders dann, wenn sie darunter leiden, dass sie mit ihrem Hund im Alltag häufiger auffallen. Wer  das Gefühl kennt, wegen seines Hundes unangenehm aufzufallen, möchte diese Aufmerksamkeit beim Mantrailing vielleicht nicht auch noch mit einer leuchtenden Warnweste verstärken.

Denn die sagt schließlich ziemlich deutlich: „Hier bin ich. Schau mich an.“

Und ein Unwohlsein der Bezugsperson ist keine gute Basis für Trailen als Enrichment. In dieser Situation kann es beispielsweise eine gute Lösung sein, wenn die Leitung des Trainings eine Warnweste trägt. So bleibt die Trainingssituation für Außenstehende erkennbar, ohne dass ausgerechnet der Mensch besonders sichtbar werden muss, der sich damit unwohl fühlt.

Pimp your Mantrailing

Und dann gibt es natürlich noch einen ganz anderen Grund, sich Gedanken über die Warnweste zu machen: Sie darf gefallen, stolz machen, Freude bereiten, Zugehörigkeit darstellen.

Vielleicht hat unser*e Kund*in eine Lieblingsfarbe oder freut sich darüber, wenn Geschirr, Leine und Warnweste zusammenpassen. Für manche Menschen ist die Optik ihrer Hundeausrüstung ziemlich nebensächlich. Andere haben große Freude daran, wenn alles aufeinander abgestimmt ist. Und zugegeben … ich selbst bin nicht ganz frei davon und habe Freude daran, wenn alles zusammenpasst.

Auch eine Personalisierung kann dazu beitragen. Der eigene Name, der Name des Hundes oder sogar beide zusammen machen aus irgendeiner Warnweste eine ganz persönliche Warnweste. Damit kann die Bezugsperson auch ein kleines Stück ihrer Gemeinschaft mit dem Hund nach außen sichtbar und für sich selbst spürbar machen. Fast wie ein gutes Gefühl, das man anziehen kann.

Darüber hinaus spielt jedoch auch die Funktionalität eine Rolle. Eine Warnweste mit gut erreichbaren Taschen kann sehr hilfreich sein, weil Handy, Geruchsartikel, Leckerli, Taschentücher, Schlüssel und andere Dinge während des Trails ihren festen Platz haben und griffbereit sind. Das gibt Sicherheit und verhindert “ Wo ist denn bloß…“

Wer sich mit seiner Hundeschule oder Trainingsgruppe identifiziert, trägt vielleicht sehr gerne eine Weste mit deren Logo und zeigt damit auch nach außen: „Da gehöre ich dazu.“

Damit wird die Auswahl der Warnweste auch zu einer kleinen Frage des Wohlbefindens: Was trägt dieser Mensch gerne – und was unterstützt ihn beim Trailen?

… und so kann es auch mal passieren, dass ganz unverhofft eine pinke Warnweste zum Talisman wird und von da an immer in Pink getrailt wird. 😇 🩷

Information für den Hund

Dass Warnwesten auch Informationen an den Hund übermitteln können, steht außer Frage. Worüber wir uns jedoch Gedanken machen sollten, ist: Welche Informationen wollen wir dem Hund geben – und welche eher nicht?

Wie sieht der Hund die Warnweste?

Hunde nehmen Farben anders wahr als wir. Daher kann der Informationsgehalt einer getragenen Weste für den Hund auch anders ausfallen als für uns Menschen.

Es gibt verschiedene Apps und Webseiten, mit denen die Farbwahrnehmung von Hunden simuliert wird. Zugegeben: Die Ergebnisse sind nicht identisch. Für einen Eindruck davon, wie sich unsere Farbwahrnehmung von der eines Hundes unterscheiden kann, finde ich sie trotzdem ziemlich spannend.

Hier also der Vergleich unserer Sicht mit einer simulierten Hundesicht bei neun verschiedenfarbigen Warnwesten:

Das Bild habe ich mit einer eigenen Aufnahme auf dogvision.com erstellen lassen und heruntergeladen.

Für smartphones gibt es folgende Apps:

  • DogVision
  • Pawsight
  • Dog Vision Simulator
Warnwesten DogVision Simulator

Bei simulierter Dunkelheit wird’s richtig spannend:

DogVision-Simulation Warnwesten im Dunkeln

Die tatsächliche Farbe ist also nur ein Aspekt des Informationsgehaltes von Warnwesten. Denn Helligkeit und Kontrast spielen auch eine Rolle.

Eine helle oder kontrastreiche Weste kann sich auf einem dunkel gekleideten Menschen deutlich abheben. Zumal Hunde besser an das Sehen bei schwachen Lichtverhältnissen angepasst sind als wir Menschen.

Die Frage lautet also nicht nur: Welche Farbe sieht mein Hund?
Sondern auch: Wie deutlich hebt sich die Weste von ihrem Hintergrund ab?

Die Auswahl der Warnweste hat also durchaus Einfluss darauf, welche visuelle Information wir dem Hund zur Verfügung stellen. Farbe, Helligkeit und Kontrast können dazu beitragen, dass eine Weste für ihn mehr oder weniger auffällig und wiedererkennbar ist.

Und genau das können wir uns beim Mantrailing sogar zunutze machen. Und zwar in beide Richtungen – je nachdem, ob wir ausdrücklich wollen, dass der Hund die Warnweste wahrnimmt und wiedererkennt – oder eben auch nicht.

„Wir trailen!“ – die Warnweste als Teil des Rituals

Die Warnweste kann für den Hund auch Teil des Startrituals werden und präzise ankündigen: „Wir trailen!“

Dabei spielen die Erwartungshaltung des jeweiligen Teams und der Zeitpunkt, an dem der Hund diesen Hinweis bekommen soll, eine entscheidende Rolle. Denn auch hier zählt, was die Information mit diesem Hund macht.

Sorgt sie für freudige Erwartung und hilft dem Hund, sich auf das Kommende einzustellen? Ist sie ein Signal, das dem Hund hilft zu erkennen, welche Art von Aufgabe auf ihn zukommt? Dann ist die Weste ein praktischer Bestandteil des Startrituals. Besonders deswegen, weil sie kein Hantieren am Hund erforderlich macht.

Entstehen allerdings bereits Aufregung und vielleicht sogar Frust, weil die Warnweste längst sagt: „Gleich geht es los“, während der Hund noch warten muss, ist der Zeitpunkt des Anziehens von großer Bedeutung. Und manchmal kann auch das Weglassen sinnvoll sein.

Möchten wir die Warnweste ganz bewusst als Teil des Rituals nutzen, sollte sie für den Hund natürlich auch gut erkennbar sein und einen möglichst hohen Wiedererkennungswert haben. 

Wenn die Warnweste zu viel verrät

Was wir beim Startritual ganz bewusst nutzen können, kann an anderer Stelle allerdings zur Information werden, die wir dem Hund vielleicht gar nicht geben wollten.

Denn auch die Warnweste der Zielperson kann für den Hund einen hohen Wiedererkennungswert bekommen. Und wenn am Ende des Trails immer ein Mensch mit einer bestimmten, gut erkennbaren Warnweste steht, kann diese Weste Teil dessen werden, woran der Hund eine mögliche Zielperson neben dem Geruch erkennt. Die Warnweste kann Teil eines immer wiederkehrenden „Opferbildes“ werden.

So sinnvoll das Tragen einer Warnweste für die Zielperson aus den oben genannten Gründen sein kann, so klar sollten wir deshalb auch diese mögliche ungewollte Verknüpfung im Blick behalten.

Wenn Trainer*innen sich also dafür entscheiden, dass Zielpersonen grundsätzlich Warnwesten tragen, ist es sinnvoll, im Training auch immer wieder bewusst für Abweichungen zu sorgen. Soll die Warnweste vor allem ihre Funktion für die Menschen in der Umgebung erfüllen, ohne dem Hund unnötig viel zusätzliche Information zu liefern, kann es außerdem sinnvoll sein, ihren Wiedererkennungswert für den Hund möglichst gering zu halten.

Und manchmal überwiegen die Vorteile der Warnweste für die Zielperson ganz klar. Dann darf sie diese Information liefern. Dann berücksichtigen wir das einfach in unserer Trainingsplanung.

Mein Fazit

Die Warnweste ist tatsächlich kein banaler Ausrüstungsgegenstand, sondern ein Informationsträger, dessen Wirkung davon abhängt, wer sie trägt, wer sie wahrnimmt und welche Botschaft sie übermitteln soll.

Sie kann durchaus auch gegensätzliche Auswirkungen haben. Daher sollten wir bewusst entscheiden, wie wir die gewünschten Effekte möglichst gut nutzen und unerwünschte möglichst vermeiden können.

So kann beispielsweise die optimale Weste für Team A ganz anders gestaltet sein als die für Team B und noch einmal ganz anders für Zielpersonen. Wenn diese denn überhaupt eine tragen.

Eines bleibt jedoch ungeklärt:

Was mache ich jetzt mit den neun bunten Westen? 😇

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Ich bin Astrid Sperlich, Fachfrau für ein Mantrailing Training, das Mensch-Hund Teams zum Strahlen bringt.

Mit fachlichem Scharfsinn und Blick auf die Bedürfnisse beleuchte ich Dein Training von allen Seiten. Ich unterstütze Dich dabei, Deinen Weg als Mantrailing Trainer*in zu finden. Vor Ort in Oberbayern & online, persönlich & in einer starken Gemeinschaft.

Für den IBH leite ich die Mantrailing-Trainer*innen Weiterbildung, die den Schwerpunkt auf Enrichment setzt. Meine Mission: Mensch & Hund mit Mantrailing wirklich glücklich machen und nicht nur auslasten. Probleme lösen, statt neue schaffen.

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