Wenn’s um das Thema „blind“, „doubleblind“ oder wissend trailen geht, dann kochen die Diskussionen gerne mal hoch.
Begriffe wie „Betrug“ oder „geführtes Gassi“ werden im Zusammenhang mit dem nicht blinden Trailen schnell in den Raum geworfen.
Ich möchte das heute etwas näher anschauen – und beginne mit einer kleinen Begriffsklärung.
Das Wichtigste über Blind-, Doubleblind- und wissend Trail in Kürze
⚖️ Blind, Doubleblind und wissend trailen unterscheiden sich darin, wer den Trailverlauf kennt – der trailende Mensch, die Begleitung oder beide.
⚖️ Wissendes Trailen ist eine Lernstufe im Aufbau, die sich in Tempo und Dauer nach dem Hund richtet. Beim Trailen mit Enrichment-Gedanken wird der nächste Trainingsschritt am Wohlbefinden des Hundes ausgerichtet.
⚖️ Ich vergleiche das wissende Trailen mit einer didaktischen Schwimmhilfe. Wann und wo diese Sicherheitsmaßnahme abgebaut wird, ist individuell. 🌊
⚖️ Nur wenn ich weiß, wo die Spur verläuft, kann ich spurtreues Verhalten meines Hundes gezielt erkennen und verstärken.
⚖️ Wir beeinflussen unsere Hunde immer – entscheidend ist, ob wir das wohlwollend tun oder kritisch.
⚖️ Reif für einen Doubleblind-Trail ist ein Hund, der versteht, dass die Spur lohnenswerter ist als die Beobachtung meines Verhaltens – und daraus echte Selbstständigkeit und Sicherheit entwickelt hat. Das kann nicht vorausgesetzt werden.
⚖️ Im Mantrailing als Enrichment steht das Wohlbefinden von Mensch und Hund über Leistungsdruck – schließt großartige Leistung aber nicht aus.
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Definition
Was bedeuten diese Begriffe eigentlich im Training?
Doubleblind:
Keiner der beteiligten Menschen kennt den Trailverlauf – weder der mit seinem Hund trailende Mensch („Trailer“) noch eine anwesende Begleitperson.
Blind:
Die Begleitperson kennt den Trailverlauf, der Trailer hat oder bekommt keine Kenntnis davon.
Wissend trailen:
Hier kennt die Begleitperson den Trailverlauf und der Trailer hat oder bekommt Kenntnis davon.
Diese unterschiedlichen Trainingsformen haben verschiedene Auswirkungen auf alle Beteiligten.
Bevor ich darauf näher eingehe, möchte ich zunächst das Ziel meines Mantrailing-Trainings und die Trainingsgrundlagen beleuchten, mit denen ich dieses Ziel erreiche.
Trailen mit dem Enrichmentgedanken
Ich – und die Trainer*innen, die Bettina und ich beim IBH ausbilden, ebenso wie die Trainer*innen, die ich in meiner Membership begleite – sehen Mantrailing als eine wunderbare Möglichkeit, Hunden und ihren Menschen Enrichment zu bieten – also eine Beschäftigung, die guttut und sinnvoll ist.
Wir gestalten das Mantrailing-Training so, dass Hunde und ihre Menschen eine wunderbare Gelegenheit haben, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Wir trailen, um Wohlbefinden bei Hund und Mensch zu erzeugen. Dabei achten wir darauf, dass die Bedürfniserfüllung der Menschen nicht zu Lasten der Hunde geht. In unserem Training wiegt Wohlbefinden schwerer als Leistung und Funktion. Das ist eine bewusste Entscheidung. Die Erfahrung zeigt jedoch: Wenn wir beim Trailen für Wohlbefinden sorgen, bekommen wir die Leistung des Hundes meist von ganz allein obendrauf.
Für das Trailen mit dem Enrichmentgedanken eignet sich das spurtreue Trailen, also das Trailen auf dem Geruchsband, besonders gut. Warum das so ist, habe ich im Artikel „Trailen auf dem Geruchsband“ ausführlich beschrieben.
Dieses „Zeig mir, wo die Person gelaufen ist“ – anstelle von „Finde die Person, egal wie“ – ist ein Lösungsansatz, den nicht alle Hunde von sich aus zeigen. Diese Umsetzung der gestellten Aufgabe müssen wir ihnen zunächst vermitteln. Dieser Schritt, den Hunden das Suchen auf dem Geruchsband beizubringen, lohnt sich jedoch sehr: Denn danach können wir das Training deutlich bedürfnisorientierter gestalten als über die Suche nach Hochwitterung.
Wie vermitteln wir dem Hund das Trailen auf dem Geruchsband? Mit dem bewährten Vorgehen, erwünschtes Verhalten zu verstärken und unerwünschtes Verhalten möglichst gar nicht erst ablaufen zu lassen.
Und damit sind wir direkt beim wissenden Trailen. Denn wenn ich erwünschtes Verhalten – in diesem Fall also das spurtreue Trailen – verstärken möchte, muss ich … genau … wissen, wo die Spur ist. Und zwar nicht nur grob, sondern wirklich exakt und zu 100 % zuverlässig.
In dieser Anlernphase trainiere ich mit dem Hund ein erwünschtes Verhalten.
Dabei nehme ich bewusst in Kauf, dass ich die Selbstwirksamkeit des Hundes vorübergehend einschränke. Aber ich gewinne dadurch, dass ich dem Hund im Anschluss deutlich mehr echte Selbstwirksamkeit ermöglichen kann.
Warum?
Weil ich beim Trail-Legen natürlich einen großen Einfluss darauf habe, welchen Weg der Hund bei einer spurtreuen Ausarbeitung laufen wird – nämlich: den Weg auf der Spur.
Trailen auf dem Geruchsband vermitteln
In dieser Anlernphase verstärke ich das Suchverhalten des Hundes, wenn er auf dem Geruchsband bleibt – und verhindere, dass er über die Hochwindsuche zum Erfolg kommt. Passende Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, nenne ich „Setup for Success“.
Ich gestalte das Training so, dass es dem Hund möglichst leichtfällt, das erwünschte Verhalten zu zeigen – und unerwünschtes Verhalten gar nicht erst entsteht oder sich schnell beenden lässt. Im Klartext: Ich sorge im Training dafür, dass es für den Hund einfach ist, sich für den Verbleib auf dem Geruchsband zu entscheiden, und lasse ihn nicht in die falsche Richtung laufen.
🌊 Das wissende Trailen ist wie eine didaktische Schwimmhilfe.
Es gibt dem Hund Sicherheit und Struktur, während er lernt, seine Suchstrategie stabil und selbstständig anzuwenden.
In der Praxis bedeutet das:
Der Mensch folgt seinem Hund in dieser Trainingsphase nur dann, wenn der Hund auf dem Geruchsband bleibt.
Verlässt der Hund das Geruchsband, bleibt der Mensch stehen – so, dass der Hund ohne Motivationskonflikt umdrehen und eine andere Entscheidung treffen kann.
Wenn ich dieses Vorgehen Kolleg*innen erkläre, kommt in der Regel sofort der Einwand:
„Aber dabei lernt der Hund doch, dass er sich einfach an seinem Menschen orientieren kann, um ans Ziel zu kommen!“
Ein berechtigter Gedanke – denn ja, ein Hund könnte das lernen. Wie wahrscheinlich das ist, hängt jedoch stark davon ab, wie das gesamte Training gestaltet wird. Darauf komme ich im Laufe dieses Atikels nochmal zurück.
Warum ich dennoch diesen Weg gehe?
Weil wir uns gar nicht nicht verhalten können. Gerade weil der Hund beim Trailen an der Leine ist und gemeinsam mit uns unterwegs, kommunizieren wir – ob wir wollen oder nicht – ständig mit ihm. Wir können uns nicht in Luft auflösen. Das heißt: Wir beeinflussen den Hund immer. Egal, ob wir etwas tun oder bewusst nichts tun – es hat immer eine Wirkung auf ihn. Und dabei spielt es keine Rolle, ob wir wissen, wo der Trail verläuft, oder nicht.
Wir beeinflussen immer – die Frage ist nur, ob wir das wohlwollend tun oder kritisch.
Ob wir dem Hund den Erfolg ermöglichen oder ihn – durch unbewusstes, nicht zielführendes Verhalten – scheitern lassen.
Und genau hier kommt Paul Watzlawick ins Spiel – und seine Kommunikationsaxiome.
Kommunikation - Paul Watzlawick
Das, was ich eben beschrieben habe, ist im Grunde nichts anderes als das erste Axiom der Kommunikation nach Paul Watzlawick:
Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation – nicht nur mit Worten – ist Verhalten. Und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.
Paul Watzlawick
Das bedeutet:
Da wir uns nicht nicht verhalten können, kommunizieren wir immer mit dem Hund. Der Wunsch, den Hund nicht zu beeinflussen, ist beim Trailen praktisch unmöglich – selbst dann, wenn wir den Verlauf des Trails gar icht kennen.
Werfen wir nun einen Blick auf das zweite Axiom und wenden es aufs Mantrailing an:
Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt.
Paul Watzlawick
Dieses Axiom besagt:
Hinter jeder Botschaft steckt immer eine Beziehungsintention – also wie ich etwas meine, nicht nur was ich tue.
Beispiel aus dem Trailing-Alltag:
Situation: Der Mensch folgt dem Hund an einem Entscheidungspunkt – er geht also mit.
Inhaltsaspekt: Der Mensch verstärkt die Bewegung in diese Richtung.
(Konkret: Er übt durch das Mitgehen einen leichten Druck aus – was für den Hund einen kleinen Konflikt auslösen kann, falls er eigentlich abbiegen möchte.)Beziehungsaspekt: Hier kommt es darauf an, welche Haltung dahinter steckt.
Beim wissenden Trailen in der Anlernphase lautet der Beziehungsaspekt:
👉 „Ich unterstütze Dich. Ich mache Dir die richtige Entscheidung leicht.“Beim blind oder doubleblind Trailen dagegen:
👉 „Du entscheidest. Du bist auf Dich allein gestellt.“
Ich nehme dabei in Kauf, dass ich dem Hund die richtige Entscheidung vielleicht schwer mache.
Dahinter kann sowohl ein „Ich vertraue Dir, weil Du stark bist“ als auch ein „Ich prüfe Dich, ob Du es kannst“ stecken. Beides impliziert aber: „Ich lasse Dich an nicht zielführendem Verhalten auch scheitern.“
Beim blind oder doubleblind steht also eher der Funktionsgedanke im Vordergrund: Der Hund muss leisten. Er muss auch dann klarkommen, wenn der Mensch es ihm schwer macht.
Beim wissenden Trailen dagegen steht der lehrende und wohlwollende Aspekt im Mittelpunkt.
Weiter geht’s mit dem dritten Axiom:
Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bestimmt.
Paul Watzlawick
Klingt sperrig, oder?
Was Watzlawick damit meint, ist eigentlich ganz einfach: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung – ein ständiger Wechsel von Aktion und Reaktion.
Das, was Du tust, löst beim Gegenüber eine Reaktion aus – und diese Reaktion wirkt wiederum auf Dich zurück.
So entsteht ein Kreislauf. Das kann konstruktiv oder im ungünstigsten Fall ein destruktiver Teufelskreis werden. Oder eben ein Ghost Trail oder ein Hund, der ein Problem mit der Umsetzung von Entscheidungen hat.
Ein Hund, der seine Aufgabe erst lernt, zeigt anfangs noch kein zuverlässiges Trailverhalten. Und nein – es liegt nicht einfach „in der Natur des Hundes“, der Spur eines fremden Menschen zu folgen und ihn zu finden. Dieses Verhalten müssen wir systematisch aufbauen.
Wie das geht, habe ich im Artikel „Antrailen“ beschrieben. Hier soll es darum gehen, wie ich dem Hund das spurtreue Trailen beibringe.
Zurück zum Ausgangspunkt: Ein Mensch kann beim lernenden Hund noch nicht sicher erkennen, ob der Hund das Geruchsband verlässt oder noch darauf ist. Beim Blind oder Doubleblind gehen wir also immer das Risiko ein, dem Hund das Lernen seiner Aufgabe unnötig zu erschweren.
Nehmen wir wieder das Beispiel von vorhin: Der Mensch folgt dem Hund an einem Entscheidungspunkt – er geht also mit.
🐾👣 Wissendes Trailen in der Anlernphase:
Wenn der Hund auf dem Geruchsband bleibt, folgt der Mensch.
Weil der Mensch folgt, geht der Hund ohne zu zögern weiter – er bleibt also sicher auf dem Geruchsband.
Hier ist die Ursache und Wirkung der Kommunikation konstruktiv.
Die Verknüpfung Geruchsträger – Geruchsband – Zielperson – Jackpot ist einfach möglich.
🐾👣 Beim Blind oder Doubleblind müssen wir jetzt unterscheiden, in welchem Ausbildungsstadium der Hund ist – und ob er auf dem Geruchsband bleibt oder es verlässt. Hier sind die Varianten:
Ein Hund, der seine Aufgabe erst lernt, bleibt auf dem Geruchsband:
Der Mensch folgt ihm.
Weil der Mensch folgt, geht der Hund ohne zu zögern weiter.
Die Verknüpfung Geruchsträger – Geruchsband – Zielperson – Jackpot ist einfach möglich.
Wieder eine konstruktive Situation.Ein Hund, der seine Aufgabe erst lernt, verlässt das Geruchsband:
Der Mensch folgt dennoch.
Der Hund läuft deswegen weiter.
Der Mensch folgt.
Der Hund dreht nicht ab …
Das ist ein Teufelskreis.
Die Verknüpfung Geruchsträger – Geruchsband – Zielperson – Jackpot kann hier nicht entstehen.
Der Hund kann die Strategie „spurtreu trailen“ so nicht lernen.Ein Hund, der seine Aufgabe bereits etwas verstanden hat, bleibt auf dem Geruchsband:
Weil der Mensch ihm folgt, wird dieses Verhalten verstärkt.
Der Hund läuft weiter auf dem Geruchsband, der Mensch folgt – wieder konstruktiv.
Wir festigen die Verknüpfung Geruchsartikel – Geruchsband – Zielperson.Ein Hund, der seine Aufgabe bereits etwas verstanden hat, verlässt das Geruchsband:
Er realisiert, dass er nicht mehr auf dem Trail ist, der Mensch ihm aber folgt.
Das bringt diesen Hund in einen Motivationskonflikt.
Das Umdrehen zurück auf das Geruchsband wird schwerer, weil der Mensch ihm ja folgt und dadurch Druck ausübt.
Und hier wird’s spannend:
Bricht dieser Hund ein und entscheidet sich in seinem Motivationskonflikt fürs Weiterlaufen – und der Mensch folgt weiter – haben wir wieder einen Teufelskreis. In diesem Fall einen Hund, der einen Ghost Trail läuft.
Wenn wir jetzt den Spieß umdrehen und das Szenario durchspielen, in dem der Mensch erst mal stehen bleibt und nicht sofort mitgeht, wird’s knifflig. Denn dann kommt es auch noch darauf an, ob der Hund:
nur verzögert, aber in die eingeschlagene Richtung weitergeht,
stehen bleibt, abdreht und in eine andere Richtung läuft, oder
stehen bleibt und gar nichts mehr macht.
Denn wie und wann sich der Mensch dann wieder bewegt, spielt eine große Rolle. Wir wissen ja: Wir können nicht nicht beeinflussen. Auch Stehenbleiben ist Beeinflussung. Du verstehst – das ist dann richtig tricky.
Denn immer dann, wenn der Mensch beim blind oder doubleblind dem Hund schließlich in eine Richtung folgt, die nicht auf dem Geruchsband liegt, torpedieren wir die korrekte Verknüpfung Geruchsartikel – Geruchsband – Zielperson – Jackpot.
Wie gehen wir nun mit Hunden um, die bereits verstanden haben, was ihre Aufgabe ist? Wann wird das bewusste „Hinterfragen“ sinnvoll – und wie lange bleibt es noch unfair?
Den Hund hinterfragen
Wie gesagt, mein Ziel beim Mantrailing ist es, Wohlbefinden zu erzeugen – nicht Leistung einzufordern.
Aber natürlich gibt es Hunde, die diese didaktische Schwimmhilfe früher oder später nicht mehr brauchen.
Sie haben verstanden, wie sie sich am Geruchsband selbstständig orientieren und Abweichungen davon korrigieren können.
🌊 Wir können die Schwimmhilfe also einmal weglassen – bereit, den Rettungsring jederzeit wieder zu werfen.
Und um im Bild des Schwimmenlernens zu bleiben: Ich lasse sie auch erst im Hallenbad weg.
Wenn das Schwimmen dort sicher klappt, wagen wir den Schritt ins freie Wasser – vielleicht in einen See, später auch mal ins Meer mit leichtem Wellengang.
Und ganz ehrlich: Nicht jeder muss im Bermuda-Dreieck schwimmen können. 😉
Zurück zum Mantrailing:
Was bedeutet das „Schwimmhilfe-weglassen“ konkret?
Wir hinterfragen die Entscheidung des Hundes bewusst – und beobachten, ob er auch gegen unsere Körpersprache bei seiner gewählten Richtung bleibt.
Dabei kennen wir den Trailverlauf und loben den Hund für den Verbleib auf dem Geruchsband, um dieses Verhalten gezielt zu stärken.
🌊 So sehen wir, ob der Hund ohne Schwimmhilfe schwimmt – oder ob er noch untergeht.
👉 Wie schaut das konkret aus?
Sobald ich von einem Hund sicher weiß, dass er seine Aufgabe verstanden hat (wie ich das überprüfe, erfährst Du in diesem Blogartikel) und er bei der Umsetzung seiner Entscheidungen sehr sicher ist – also sich auch dann gut wieder auf das Geruchsband zurückarbeitet, falls er davon abkommt – plane ich ein, eine Entscheidung bewusst zu hinterfragen.
Das sieht so aus:
Der Mensch bleibt einmal stehen, obwohl der Hund weiterhin auf dem Geruchsband ist.
Wenn der Hund dann nicht einknickt, sondern standhaft seine eingeschlagene Richtung fortsetzen möchte,wird er sofort gelobt und der Mensch geht wieder mit. Dazu ist natürlich die Kentniss des Trailverlaufes wichtig!
Oder im umgekehrten Fall:
Wenn der Hund das Geruchsband verlässt, geht der Mensch mal bewusst mit und drückt ihn dadurch weiter.
Wenn der Hund mental stark genug ist, wird er sich dennoch zurück auf das Geruchsband arbeiten.
Auch das wird sofort gelobt und der Mensch geht in die Richtung des Geruchsbandes wieder mit.
So stärken wir den Hund in seiner Entscheidung für das Geruchsband – und gegen meine Körpersprache.
Der Punkt, ab dem der Hund die Spur über die Körpersprache stellt, entsteht nicht zwingend von allein.
Ich gestalte Setups, die diese Erkenntnis ermöglichen – ohne den Hund zu überfordern.
Mit der Suche auf dem Geruchsband geben wir dem Hund eine Strategie mit Erfolgsgarantie und ohne Frust, der bei der Suche über Hochwind schnell entstehen kann.
So muss der Hund bei einer mit Geruch assoziierten Aufgabe gar nicht erst auf den „Trick“ zurückgreifen, sich an seinem Menschen zu orientieren.
So resultiert Selbstständigkeit aus Verständnis – und kein „Kluger Hans“ aus Verunsicherung.
Das gezielte Hinterfragen ist kein Test, sondern eine Bestätigung seiner Kompetenz. Ich bestätige dem Hund explizit: „Ich sehe, dass Du weißt, was Du tust – das ist großartig und ich folge Dir.“
Fazit
Die hohe Kunst beim Trailen ist es, dem Hund seine Aufgabe so zu vermitteln, dass er verinnerlichen kann, dass der Verlauf der Spur ist bedeutender als das beobachtete Verhalten des Menschen und sich dabei stets sicher fühlt.
🌊 Ich schmeiße ihn also nicht einfach ins Wasser, sondern bringe ihm vorher Schwimmen bei.
Dass er mental stark genug werden kann, sich gegen die Körpersprache seines Menschen durchzusetzen –
also weiterzugehen, wenn der Mensch stehen bleibt, oder umzudrehen, auch wenn der Mensch ihm folgt.
🌊 Ich überzeuge mich erst davon, dass er sich über Wasser halten kann und Freude dabei hat. Erst dann lasse ich ihn ohne Schwimmhilfe schwimmen.
Erst dann habe ich einen Hund, der reif für einen Doubleblind ist.
Dann habe ich einen Hund, von dem ich sicher weiß, dass er die Spur verfolgt – unabhängig davon, wie ich mich bewege. Und ohne in einen Motivationskonflikt zu geraten.
🌊 Dabei wäge ich gut ab, ob die Umgebung für den Hund das Hallenbad, ein See oder das Meer mit starker Strömung ist. Wenn das Schwimmen im Hallenbad ohne Schwimmhilfe gut klappt, heißt das aber noch lange nicht, dass man reif fürs Bermuda Dreieck ist.
Dahin zu kommen ist ein Lernprozess.
Ein Hund, der das kann, ist ein mögliches Ziel, aber nicht die Ausgangssituation. Und genau diese Kompetenz ist für mich die Voraussetzung, um mit einem Hund in ein Doubleblind zu gehen.
Ich finde es nicht zielführend – und ehrlich gesagt auch dem Hund gegenüber nicht fair –, diese mentale Stärke von Beginn an zu verlangen. Schon gar nicht, wenn wir für Wohlbefinden trailen und nicht für Leistung.
Beim Mantrailing als Enrichment ist jedoch diesem Leistungziel ein anderes Ziel übergeordnet: Wohlbefinden. Es ist ein bewusstes Angebot für Mensch-Hund-Teams, die vielleicht Baustellen im Alltag haben – für Hunde, bei denen mentale Stärke nicht einfach vorausgesetzt werden kann.
Ein Hund, der zum Beispiel die Erfahrung machen musste, dass „Ungehorsam“ von Menschen bestraft wurde, wird sich lange nicht bewusst gegen die Körpersprache seines Menschen stellen. Da unser Ziel Wohlbefinden und nicht Leistung ist, kann ich hier weiterhin wissend trailend mein Ziel erreichen.
Weil wir ihm wohlwollend begegnen und die Aufgabe so gestalten, dass er Erfolgserlebnisse sammeln kann, wird auch dieser Hund mit der Zeit mutiger werden – und kann Selbstwirksamkeit überhaupt erst erleben.
Und das sind dann die Momente, die Mensch und Hund ein Glitzern in die Augen zaubern. ✨