Diesr Artikel, erschienen in der SitzPlatzFuss 62 beleuchtet Mantrailing als bedürfnisorientierte Beschäftigung für jagdlich ambitionierte Hunde – jenseits von Auslastungslogik und Leistungsdenken.
Wie jagdliche Leidenschaft mit Mantrailing gelenkt wird, statt Mensch und Hund zu frustrieren.
Denn eines ist sicher: Mantrailing ist nicht automatisch die ideale Beschäftigung für jeden jagenden Hund. Es kann ein Mensch-Hund-Team unglaublich bereichern – oder leider auch das Gegenteil davon. Entscheidend ist, welchen Hund wir vor uns haben und wie wir das Training gestalten.
Mantrailing ist als Beschäftigung hoch im Kurs. Viele Menschen möchten ihrem Hund eine artgerechte Beschäftigung anbieten, die ihnen selbst auch Spaß macht. Beides wird Mantrailing in hohem Maße zugeschrieben. Und ja: Mantrailing hat definitiv das Potenzial sowohl bei Hunden als auch bei Menschen für Wohlbefinden zu sorgen. Dieses Potenzial gerade für Jagdhunde auszuschöpfen und für nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensqualität zu sorgen kann allerdings anspruchsvoller sein, als es auf den ersten Blick erscheint.
Dafür ist ein Perspektivenwechsel sinnvoll, nämlich Wohlbefinden an die oberste Stelle zu setzen und Leistung dem unterzuordnen. Gerade beim Trailen fällt das vielen Menschen erfahrungsgemäß schwer. Das Schöne bei diesem Perspektivenwechsel: Wo Wohlbefinden den Weg weist, findet Leistung wie von selbst ihren Platz – ohne Druck, dafür mit einem Glitzern in den Augen von Mensch und Hund.
In diesem Artikel möchte ich Deinen Blick auf Mantrailing dahingehend schärfen, dass Du die wichtigsten Stellschrauben im Training kennenlernst, die gerade bei Hunden mit Jagdleidenschaft entscheiden, ob Frust oder Freude vorherrscht. Beginnen möchte ich jedoch erst mit einer gängigen Grundannahme über Mantrailing, die so nicht korrekt ist.
Mantrailing ist als Beschäftigung hoch im Kurs. Viele Menschen möchten ihrem Hund eine artgerechte Beschäftigung anbieten, die ihnen selbst auch Spaß macht. Beides wird Mantrailing in hohem Maße zugeschrieben. Und ja: Mantrailing hat definitiv das Potenzial sowohl bei Hunden als auch bei Menschen für Wohlbefinden zu sorgen. Dieses Potenzial gerade für Jagdhunde auszuschöpfen und für nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensqualität zu sorgen kann allerdings anspruchsvoller sein, als es auf den ersten Blick erscheint.
Dafür ist ein Perspektivenwechsel sinnvoll, nämlich Wohlbefinden an die oberste Stelle zu setzen und Leistung dem unterzuordnen. Gerade beim Trailen fällt das vielen Menschen erfahrungsgemäß schwer. Das Schöne bei diesem Perspektivenwechsel: Wo Wohlbefinden den Weg weist, findet Leistung wie von selbst ihren Platz – ohne Druck, dafür mit einem Glitzern in den Augen von Mensch und Hund.
In diesem Artikel möchte ich Deinen Blick auf Mantrailing dahingehend schärfen, dass Du die wichtigsten Stellschrauben im Training kennenlernst, die gerade bei Hunden mit Jagdleidenschaft entscheiden, ob Frust oder Freude vorherrscht. Beginnen möchte ich jedoch erst mit einer gängigen Grundannahme über Mantrailing, die so nicht korrekt ist.
Trailen versus Jagen
... wo liegt denn da der Unterschied?
Häufig wird Mantrailing mit „Jagen“ gleichgesetzt. Aus dieser Annahme werden oft zwei Dinge abgeleitet. Erstens dass es dem Hund nicht beigebracht werden müsse, sondern er das von Natur aus kann. Und zum Zweiten, dass es damit automatisch eine artgerechte bedürfniserfüllende Beschäftigung für Hunde ist. Die Annahme, dass Mantrailing mit Jagen gleichzusetzen ist, ist jedoch nicht in Gänze zutreffend. Die Verhaltensweisen, die beim Trailen gezeigt werden, können zwar dem Nahrungserwerb zugeordnet werden, jedoch eher dem des Nahrungseinsammelns. Nicht der eigentlichen Jagd. Denn zum Glück ist der Mensch kein natürliches Beutetier des Hundes. Und in der Regel bekommen die Hunde am Ende des Trails auch eine Belohnung, die sie nicht vorher erst erlegen müssen.
Wir dürfen also das Verfolgen einer menschlichen Spur nicht als naturgegeben voraussetzen und Mantrailing ist nicht automatisch bedürfniserfüllend für die Hunde. Deswegen ist es hilfreich, das Mantrailing Training mal durch die „Enrichment-Brille“ zu betrachten.
Die fünf Säulen des Enrichment
… damit wir die Auswirkungen des Trainings einordnen können.
Das Enrichment-Konzept hat schon länger in die Hundewelt Einzug gehalten. Es beinhaltet jedoch sehr viel mehr als nur Maßnahmen rund um die Nahrungsaufnahme oder Umwelterfahrungen.
Die fünf Säulen des Enrichment lauten und beinhalten:
- Ernährung:
artgerecht, bedarfsdeckend, verträglich, bedingungslos verfügbar plus Alternativen zur Napffütterung, freier Zugang zu Wasser - Umwelt:
neue Reize kennenlernen dürfen aber in bewältigbarer Reizlage, Erkundungsverhalten ermöglichen, verschiedene Bewegungsarten ermöglichen, Sicherheit in der jeweiligen Umgebung, Rückzugsmöglichkeiten - Gesundheit:
medizinische Versorgung gewährleistet, Versorgung ohne Zwang oder Fixierung ermöglichen, angemessene Bewegungsmöglichkeiten - Selbstwirksamkeit und Kontrolle:
Wahlmöglichkeiten, Lösungsstrategien für belastende Situationen, Nein-Sagen dürfen, Erfolge erfahren - Gute Emotionen:
Erfolg durch bewältigbare Herausforderungen, Social Support, Ausstieg ohne Verlust, Abwesenheit von Frust, Bewältigungsstrategien für belastende Situationen.
Unbestreitbar ist, dass Mantrailing sowohl ein artgerechtes Verhalten zur Nahrungsaufnahme als auch vielfältige Umwelterfahrungen ermöglicht.
Ein Training, das sich an den Bedürfnissen des Hundes orientiert, sollte aber zusätzlich auch noch diese Aspekte erfüllen: Erfolge erfahren, bewältigbare Reizlagen, Erkundungsverhalten zeigen können, Vorhandensein von Rückzugsmöglichkeiten, Lösungsstrategien für belastende Situationen haben, Nein-sagen dürfen, Social Support, Ausstieg ohne Verlust, Abwesenheit von Frust. Und last but not least: Keine Beeinträchtigung der Gesundheit, weder direkt noch indirekt durch Stress. Das gilt selbstverständlich für alle Hunde.
Kommen wir nun konkret zu den jagdlich ambitionierten Hunden zurück.
Die Sache mit der Jagdleidenschaft
… worauf wir bei Beschäftigung für diese Hunde besonders achten müssen.
Hunde mit großer Jagdleidenschaft erfahren häufig im Alltag bereits viele Einschränkungen. Daher ist es umso wichtiger, dass das Beschäftigungsangebot für diese Hunde möglichst passend gestaltet werden kann. Gerade wenn es um Spezialisten geht, ist überlegtes Training notwendig. Besonders wichtig, gerade für diese Hunde, ist eine frustarme Beschäftigung. Denn wie Du aus dem Beitrag meiner wunderbaren Kollegin Ines Scheuer-Dinger in dieser Ausgabe erfahren hast, führt Frust, gerade bei jagdlich ambitionierten Hunden, zu Verhaltensweisen, die wir uns meistens so nicht wünschen.
Bedürfnisse statt Frust
... damit wir Probleme im Leben des Hundes lösen, statt neue zu schaffen.
Was sind denn beim Trailen die typischen Frustfallen? Beginnen wir beim Setting. Die Wahl der Trainingsumgebung hat großen Einfluss darauf, ob der Hund sich gut aufs Trailen einlassen kann. Denn Umgebungen, die eine Erwartungshaltung in Richtung Jagen auslösen, sind fürs Trailen erstmal ungeeignet. Sonst riskieren wir einen Konflikt zwischen der Motivation, zu jagen, und der Motivation, zu trailen.
Das Warten vor der begehrten Suche ist die nächste große Frustfalle. Daher ist es so wichtig, die Phase bis zum eigentlichen Beginn des Trails für den Hund so zu gestalten, dass sich diese Verzögerung für ihn gut anfühlt. Ein optimiertes Timing im Ablauf sowie Futtersuchen, Schnüffelteppiche oder Schleckmatten können diese Herausforderung gut lösen. Und damit sind sämtliche Schema-F-Abläufe, in die Hunde beim Trailen gepresst werden, unbrauchbar. Das Startritual muss dem Hund angepasst werden und nicht umgekehrt.
Gleiches gilt für das Ende des Trails. Ein Anzeigeverhalten, bei dem der Hund sich zurücknehmen muss, ist nicht förderlich: Ein erzwungenes Absitzen vor der Zielperson hat also das Potenzial, das Ende des Trails für den Hund zu vermiesen. Der Hund kann auch einfach stehenbleiben oder zur Bezugsperson zurücklaufen. Und wenn das für den Hund ein Bedürfnis und für die Bezugsperson okay ist, kann der Hund die Bezugsperson auch anspringen.
Aber auch die Suche selbst kann ziemlich frustbehaftet sein. Denn beim Trailen ist der Hund an der Leine.
Weg oder Ziel
... Spurtreue lehren und gleichzeitig Individualität wahren ist eine Gratwanderung.
Ich bevorzuge eindeutig die spurtreue Suche, wenn Mantrailing bedürfniserfüllend sein soll. Ohne jetzt zu tief in diese Fragestellung einzutauchen – die spurtreue Suche ist in der Regel weniger frustbelastet, muss allerdings anfangs antrainiert werden. Du kannst Dir den Unterschied mit folgenden Definitionen gut vorstellen.
- „Finde die Person, egal wie“ (Suche über Hochwitterung)
- „Zeige mir, wo die Person gelaufen ist“ (Trailen auf dem Geruchsband bzw. spurtreues Trailen)
Hunden vom Schweißhundetyp liegt diese Suchstrategie im Blut. Hier erfüllen wir tatsächlich auch ein zentrales Bedürfnis: die genetisch angelegte Suchstrategie. Aber da gibt es eben auch die anderen Spezialisten: die Hunde, die bevorzugt mit hoher Nase suchen. Eine Vorgabe der Suchstrategie ist bei diesen Hunden eine Gratwanderung. Ein Hund, in dessen Genetik es veranlagt ist, über Hochwitterung zu suchen, kann durchaus die spurtreue Suche erlernen. Aber es ist nicht seine bevorzugte Suchweise.
Warum ich diesen Schritt dennoch gehe: Weil die Suche über Hochwitterung im urbanen Bereich zwar der Genetik dieser Spezialisten entspricht, jedoch durch die Begrenzung durch die Leine und die belebte Umwelt sehr frustbehaftet ist. Die spurtreue Suche lässt sich deutlich leichter frustarm gestalten – und der Hund kann sie entsprechend frustarm ausarbeiten. Denn wir haben die Kontrolle darüber, wo genau die Zielperson läuft, und folglich der Hund dann sucht. Diese Strategie gibt dem Hund eine Erfolgsgarantie: Bleibe auf dem Geruchsband und Du kommst sicher zur Belohnung.
Aber wenn kleinschrittig genug angefangen wird und das Setting sorgfältig gewählt wird, können auch Spezialisten, die mit hoher Nase suchen, entspannt auf dem Geruchsband trailen und damit in den Vorteil dieser Suchform kommen: der Suche im Flow und mit deutlich weniger Frust.
Flow statt Rausch
... weil’s für Wohlbefinden und Leistung besser ist
Mantrailing ist eine Match-to-sample-Aufgabe. Das bedeutet, dass der Hund anhand des präsentierten Geruchsmusters der Zielperson die Aufgabe löst. Dafür muss der Hund sich den Geruch einprägen und unterwegs abrufen können. Stress – zum Beispiel durch Frust – wirkt sich sehr negativ auf diese Art der Gehirnleistung aus.
Die Suche im Flow erreiche ich neben der Strategie der spurtreuen Suche auch durch ein gut aufgebautes Antrailen – eines auf Sicht. Ohne Druck, ohne Anreizen. Ich schaffe Rahmenbedingungen fürs Antrailen, in denen der Hund von sich aus zur Zielperson hinlaufen möchte. Denn er muss zuerst ankommen wollen, bevor er Lösungsstrategien erlernen kann, um anzukommen.
Denn wie bereits gesagt, einen fremden Menschen zu verfolgen ist kein angeborenes Verhalten des Hundes. Es ist ein Verhalten, das er allerdings meistens sehr leicht lernen kann.
Erst lehren, dann prüfen
... denn erst dann können Hunde auch selbstwirksam in Führung gehen.
Das Antrailen zu lehren ist der erste Schritt. Danach festigen wir die spurtreue Suche. Wir ermöglichen dem Hund Erfolge; wir festigen die Verknüpfung: Geruchsartikel am Start – Geruchsband – Jackpot mit oder ohne Zielperson. Dafür ist das zuverlässige Wissen um den Trailverlauf notwendig. Nur so können wir den Verbleib auf dem Geruchsband stärken. Dann bekommen wir einen Hund, der ankommen möchte und der eine zuverlässige Strategie dafür erlernt hat.
Erst wenn die Suche gefestigt ist, gehen wir den nächsten Schritt – wir fragen bei den Entscheidungen mal vorsichtig nach: „Bist Du Dir sicher?“ Konkret sieht das dann so aus, dass wir mal bei einer richtigen Entscheidung bewusst nicht mitgehen und den Hund über die Leine ausbremsen. Wenn er dann durch sein Verhalten zeigt, „Ja, ich bin sicher!“, dann loben wir dieses Verhalten und folgen dem Hund wieder.
Dieses Durchsetzen gegen die Körpersprache des Menschen ist nicht selbstverständlich für viele Hunde. Diese Sicherheit muss häufig erst aufgebaut werden. Gerade bei sehr unsicheren Hunden oder solchen, die sich leicht hemmen lassen können wir das nicht von Beginn an erwarten. Erst wenn die Hunde das verinnerlicht haben, dass das Verfolgen der Spur lohnenswerter ist als die Körpersprache des Menschen, ist dieser Hund reif für einen Blind- oder Doubleblind-Trail.
Die beim Trailen so häufig angeführte Selbstwirksamkeit kommt nämlich dann erst zum Tragen
Trainingserlebnis statt Trail-Fokus
... weil das Vorher und Nachher zur Gesamterfahrung dazugehören.
Die Hunde haben nun gelernt, wie sie die angebotene Aufgabe erfolgreich lösen können. Damit ist zwar der Trail, aber nicht das Training beendet. Denn für das Gesamterlebnis sind auch der Rückweg zum Auto nach dem Trail, die Pausengestaltung und auch die gesamte Vorbereitung wichtig.
Gerade für jagdlich ambitionierte Hunde, bei denen Erregung ein Thema ist, kommt der Gestaltung dieser Phasen eine entscheidende Bedeutung zu: Kein Frust, Auffangen von Bedürfnissen, die der Hund gerade hat, und wellenförmiger Umgang mit Erregung. Den Hunden hilft es sehr, wenn wir sie am Ende des Trails erst in der aktuellen Erregungslage abholen und nicht gleich runterfahren wollen. Wir sorgen dafür, dass sie sich weiterhin gut fühlen. Das kann zum Beispiel Bewegung, Packen oder Rupfen sein. Und erst dann bieten wir Alternativen an, bei denen sich der Hund immer noch wohlfühlt, aber die Erregungslage nicht mehr so hoch ist.
Ziel ist es, dass der Hund nach dem Trail so zum Auto zurückgehen kann, dass er gerne einsteigt und sich im Anschluss dort entspannen kann. Gerade die Pausengestaltung im Auto ist für viele Hunde eine Herausforderung. Eine Entspannung in der Pause ist aber extrem wichtig für die Hunde. Das weitere Einprasseln von Reizen aus der Umwelt kann das erschweren. Deswegen lohnt es sich sehr, Entspannung im Auto – außerhalb des Mantrailing-Kontextes – mit den Hunden gezielt zu trainieren, wenn das dem Hund schwerfällt. Das gilt natürlich genauso für den Beginn des Trainings. Auch da schaffen wir Rahmenbedingungen, bei denen der Hund so am Trainingsort ankommt und im Auto auf seinen Start warten kann, dass er sich dabei wohlfühlt.
Timing ist dabei das Zauberwort: Wir können den Ablauf des Trainings für den Hund so gestalten, dass er sich beim Warten wohlfühlen kann, dass Erregung in Wellen aufgenommen und gelenkt wird und offenkundige, noch nicht erfüllte Bedürfnisse wahr- und ernstgenommen werden. Und nach Möglichkeit auch erfüllt.
Der Leinenzwiespalt
... denn Mantrailing beglückt mit Leine, ersetzt aber keine Bewegung in Freiheit
Und damit möchte ich zu einem ganz speziellen Bedürfnis kommen: dem nach uneingeschränkter Bewegung. Dieses Bedürfnis können wir mit Mantrailing nicht erfüllen.
Und jetzt kommen wir zu einem echten Dilemma: Denn einerseits ist Mantrailing eine tolle Beschäftigung, der man auch dann nachgehen kann, wenn ein Hund mittels Leine gesichert sein muss. Andererseits würden gerade Hunde, die im Alltag viel an der Leine gesichert laufen, natürlich noch mehr von einer Beschäftigung profitieren, bei der sie frei laufen können.
Für dieses Dilemma gibt es keine allgemeingültige Lösung. Wenn eine solche Möglichkeit in der Nähe besteht, kann es eine gute Lösung sein, das Bedürfnis nach uneingeschränkter Bewegung in eingezäunten Gebieten zu ermöglichen, die man allein nutzen kann. So kannst Du das Bedürfnis erfüllen, das Du mit Mantrailing nicht abdeckst, ohne auf die positiven Effekte des Trailens zu verzichten. Denn Mantrailing hat gegenüber vielen anderen Suchaufgaben noch einen großen Vorteil.
Gemeinsam statt einsam
... ein großer Trumpf beim Trailen: Du im Team mit Deinem Hund – und mit gleichgesinnten Menschen verbunden
Mantrailing ist Teamwork. Und das sogar im doppelten Sinne, denn einerseits unterstützt Du Deinen Hund auf dem Trail und andererseits findet das Training bestenfalls in einer Gruppe Gleichgesinnter statt.
Beim Trailen erlebst Du, dass Dein Hund mit seiner Nase wahre Wunder vollbringen kann. Seine Passion ist kein Problem mehr, sondern eine Auszeichnung! Du kannst den Helden in Deinem Hund sehen. Mantrailing eröffnet Dir die Möglichkeit, mit einem sehr reizoffenen Hund dennoch an einem Gruppentraining teilzunehmen. So kann auch Dein Bedürfnis nach Gemeinschaft und Verbindung erfüllt werden.
Gerade Gruppen, die Wohlbefinden über Leistung stellen, zeichnen sich durch eine wertschätzende Atmosphäre aus. Da zählt persönliche Entwicklung statt Höher-Schneller-Weiter. Da ist Raum für Sorgen und Herausforderungen und eine Gemeinschaft, die dabei stützen und stärken kann. Nicht selten haben nicht nur Bezugsperson und Hund, sondern auch die restliche Gruppe und wir Trainer*innen auf dem Rückweg vom Trail ein Glitzern in den Augen.
Individuum statt Pauschal
... weil’s eben immer drauf ankommt, was genau dieser Hund von einem Trainingsweg hat
Ich habe in diesem Artikel Wege aufgezeigt, wie Mantrailing für jagdlich ambitionierte Hunde, auch für Spezialisten, möglichst bedürfniserfüllend umgesetzt werden kann. Letztlich können diese Wege zwar für viele Hunde passen, aber nicht für alle. So gibt es auch die Hunde, die mit der spurtreuen Suche nicht glücklich werden, für die noch keine guten Strategien für Wartezeiten etabliert sind, oder deren Menschen lieber allein und nicht gesellig trainieren möchten.
Mantrailing ist weder ein Allheilmittel noch die eierlegende Wollmilchsau, schon gar nicht für jagdlich ambitionierte Hunde. Aber mit einem offenen Blick auf das Individuum und einem entsprechenden Fachwissen sowohl was Mantrailing als auch bedürfnisorientiertes Hundetraining angeht, können wir Mantrailing-Trainer*innen für die meisten Felle Lösungen finden.
Aber manchmal werden wir auch die Empfehlung aussprechen, dass eine andere Beschäftigung für diesen Hund vermutlich bedürfniserfüllender sein kann.
Wohlbefinden gezielt ermöglichen
... denn wo Wohlbefinden erzielt wird, bekommen wir Leistung meist geschenkt.
Am Ende aber bleibt genau das der gemeinsame Nenner: Wohlbefinden ist kein Nebeneffekt, sondern der Weg selbst.
Bei einem Mantrailing Training, das dem Enrichmentgedanken folgt, ist der Trail ein Angebot, keine Forderung. Der Hund darf dieses Angebot verlustfrei ablehnen. Und er darf Pausen machen. Da darf geschnüffelt und gepieselt werden. Und da darf der Hund auch aus der Suche aussteigen. Und das Beste für den Hund daran: Er bekommt den Jackpot trotzdem, wenn er ihn haben möchte.
Warum? Weil der Hund immer einen guten Grund für sein Verhalten hat. Und wenn ein Hund aus der Suche aussteigt oder eine Pause braucht, dann ist das kein Fehler des Hundes, sondern als Botschaft an uns Trainer*innen zu sehen. Die Botschaft, dass das Trailangebot gerade weniger wertvoll für den Hund ist als das von ihm gezeigte Verhalten. Und dann liegt es an uns, ob und wie wir das Trailangebot so gestalten können, dass der Hund wieder freudig und freiwillig beim nächsten Angebot voll dabei ist und meisterlich den Trail ausarbeitet.
Wenn Mantrailing so angelegt ist, dass Wohlbefinden vor Leistung geht, dass das Training dem Individuum angepasst wird und nicht umgekehrt, wenn nicht nur der Trail, sondern das gesamte Erlebnis von der ersten bis zur letzten Minute stimmig ist, dann kann Mantrailing eine wunderbare Beschäftigung für jagdlich ambitionierte Hunde sein – weil es viele ihrer Bedürfnisse erfüllt. Und diese Erfüllung wirkt über das Trailen hinaus.
Hunde, die sich verstanden und sicher fühlen und erleben, dass sie Kontrolle über ihre Entscheidungen haben, begegnen ihrem Alltag gelassener, weil sie regelmäßig erfahren dürfen: Ich kann, ich darf, ich werde gesehen. Sie lernen, spannende Situationen und Erregung gemeinsam mit Dir zu meistern – als Team, nicht als Gegner