Neue Teams im Mantrailing bringen unterschiedliche Wünsche, Erfahrungen und Erwartungen mit. In diesem Artikel geht es darum, wie ein Einstieg, der wirklich für Mensch und Hund passt, gelingen kann. Und warum ein erstes Kennenlernen ohne Hund dabei oft der entscheidende Unterschied ist. Gerade zu Beginn entscheidet sich, ob sich Menschen sicher fühlen, ob Erwartungen zusammenpassen – und ob ein Training wirklich zu dem Team passt.
Das Wichtigste in Kürze
🌱 Der Einstieg ins Mantrailing mit einem Kennenlernen als Trainingshelfer*in im Training hat Vorteile für Interessent*innen und Trainer*innen
🌱 So können Interessent*innen das Training, die Abläufe und die Trainer*innen-Haltung live erleben und entscheiden, ob das Angebot zu ihnen und ihrem Hund passt.
🌱 Gleichzeitig bekommen Trainer*innen einen realistischen Eindruck von Mensch, Erwartungen und möglicher Passung für eine zukünftige Zusammenarbeit.
🌱 Für Anfänger*innen kann klarer Fahrplan Sicherheit geben und Schritt für Schritt ins Training führen.
🌱 Es gibt unterschiedliche Beweggründe für einen Wechsel des Trainings: Fortsetzung eines bisherigen Trainings, das nicht mehr wahrgenommen werden kann oder Wunsch nach einer ganz bewussten Veränderung des Trainings.
🌱Das erste Training wird so gestaltet, dass ein sicheres Ankommen möglich ist – ohne Druck und mit hoher Wahrscheinlichkeit eines positiven Erlebnisses.
🌱 Theorie vor dem Einstieg ist für Anfänger*innen immer sinnvoll
🌱 Für Umsteiger*innen mit Wunsch nach Veränderung kann im Einzelfall Theorie vorab auch sinnvoll sein
🌱 Einsteiger-Schulungen können online oder in Präsenz angeboten werden. Was sinnvoller ist, hängt von der Struktur der Hundeschule ab.
🌱 Offene Gruppen erleichtern die Integration neuer Teams und ermöglichen einen flexiblen Einstieg ohne lange Wartezeiten.
🌱 Paralleles Training bei unterschiedlichen Anbietern ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich.
🌱 Der Umgang mit unterschiedlichen Haltungen im Zusammenleben und Umgang mit dem Hund bleibt eine individuelle Entscheidung – getragen von der eigenen Haltung und den eigenen Grenzen.
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Trainingshelfer*innen - ein erster Kontakt Live und in Farbe
Ich gebe es offen und ehrlich zu: Ich telefoniere nicht gerne.
Gleichzeitig möchte ich Menschen, die sich für mein Mantrailing-Training interessieren, die Möglichkeit geben, mich persönlich und mein Training kennenzulernen. Und natürlich ist es für mich genauso wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, wer da zu mir kommt.
Also habe ich für mich einen anderen Weg gefunden.
Ich lade Interessent*innen ein, zunächst ohne Hund ins Training zu kommen – als Trainingshelfer*innen. So erleben sie mich und mein Training live und in Farbe. Ganz real, ohne Marketingtexte.
Tatsächlich ist das eine echte Win-Win-Situation!
Vorteile für Kund*innen
Der größte Vorteil ist, dass die Kund*innen eine echte Grundlage bekommen, um zu entscheiden, ob mein Angebot zu ihnen und ihrem Hund passt. Ob ihre Vorstellungen und Ziele fürs Mantrailing zu meinen passen.
Sie erleben ein Training von der ersten bis zur letzten Minute. Bekommen einen Eindruck davon, wie ich mit Menschen und Hunden umgehe. Sehen die Abläufe und können einschätzen, ob sich das Training gut in ihren Alltag integrieren lässt. Und ob das Trainingsangebot auch für den eigenen Hund angepasst werden kann, gerade wenn besondere Bedürfnisse vorliegen.
Sie erleben auch die Stimmung in der Gruppe, können mit anderen Teilnehmer*innen sprechen und Fragen stellen – und sind nicht nur auf meine Sichtweise angewiesen.
Papier und Webseiten sind geduldig. Formulierungen können schön klingen – und trotzdem etwas ganz anderes bedeuten. Ein Live-Training hingegen ist der ungeschönte Blick in die Realität.
Ganz allgemein rate ich grundsätzlich allen Hundemenschen, sich ein Training, ganz egal um welche Gruppenveranstaltung es sich handelt, immer zuerst ohne Hund anzuschauen. So geraten sie im Zweifel gar nicht erst in die Situation, etwas mit ihrem Hund tun zu müssen, was sich für sie nicht stimmig anfühlt. Oder sich für ihre eigene Haltung rechtfertigen zu müssen.
Ohne Hund können sie das Training in Ruhe auf sich wirken lassen. Beobachten, einordnen, Fragen stellen und den Umgang mit Fragen erleben – und für sich entscheiden, ob es passt.
Vorteile für Trainer*innen
Kommen wir zur anderen Seite der Win-Win-Situation: den Vorteilen für uns Trainer*innen. Die zeigen sich auf mehreren Ebenen.
Zum einen spare ich so Zeit am Telefon oder im E-Mail-Pingpong. Denn im Training habe ich – gerade beim Traillegen – immer wieder Phasen, in denen ich mich den Fragen der Interessent*innen widmen kann, ohne extra Zeit aufwenden zu müssen. Gerade der Rückweg beim Traillegen lässt sich so sinnvoll nutzen.
Und auch wir erleben die Interessent*innen live, können ihre Fragen beantworten, ihre Vorerfahrung realistisch durch Nachfragen einschätzen.
Wir brauchen Abläufe oder Trainingsprinzipien nicht beschreiben, sondern können sie direkt erleben lassen und kommentieren. Gerade bei Menschen, die bereits Mantrailing-Erfahrung haben, zeigt sich so sehr schnell, wo Gemeinsamkeiten liegen und wo Unterschiede.
Vieles muss also gar nicht erfragt werden, sondern wird unmittelbar sichtbar. Das kann zu Überraschungen auf beiden Seiten führen, wenn sehr unterschiedliche Vorgehensweisen beim Mantrailing Training vorliegen. Denn nicht alles, was unter „Mantrailing“ angeboten wird, ist einem Trailen mit Fokus auf Wohlbefinden ähnlich. Und so stellt sich oft sehr schnell heraus, ob die Wünsche und Vorstellungen auf beiden Seiten deckungsgleich sind.
Außerdem stehen wir nicht allein für unser Angebot, sondern haben die Gruppe im Hintergrund. Menschen, die bereits teilnehmen, teilen ihre Erfahrungen und geben so einen zusätzlichen Einblick.
Und auch für die Trainingsgruppe selbst ist es immer ein Gewinn, wenn die Hunde auf diese Weise immer wieder eine bisher für sie völlig fremde Person suchen können. Unabhängig davon, ob es zu einer weiteren Zusammenarbeit kommt, oder nicht. Die Bereicherung für dieses Gruppentraining ist immer gegeben.
Bedürfnisse erkennen und Möglichkeiten aufzeigen
Es gibt verschiedene Gründe, warum neue Kund*innen sich für unser Mantrailing-Angebot interessieren. Da sind zum einen die, die noch nie getrailt haben und anfangen möchten. Und da sind die, die bereits Trailerfahrung haben und nun aus unterschiedlichen Gründen bei uns anfragen.
Gerade wenn wir die Menschen im Training bereits ohne Hund kennenlernen, können wir ihre Beweggründe gut erfassen und passende Möglichkeiten aufzeigen.
Und wir bekommen ein Gefühl dafür, was die Teams an Erfahrungen, Wünschen – und auch an Herausforderungen mitbringen. Das kann sehr vielfältig sein.
Manchmal geht es um körperliche oder gesundheitliche Themen, bei Mensch oder Hund. Manchmal um Verhalten im Alltag – im Auto, in Begegnungen oder im Umgang mit Umweltreizen. Und manchmal auch um ganz andere Dinge: Wie sicher fühlt sich der Mensch im Training? Hat er vielleicht bereits schlechte Erfahrungen im Vorfeld gemacht?
Wo braucht das Team noch Unterstützung – oder ist ein vorbereitendes Training sinnvoll oder auch notwendig?
Beginnen wir mit den Anfänger*innen. Die selbst noch nie getrailt haben, es aufgrund Empfehlung oder eigener Recherche mit ihrem Hund ausprobieren möchten.
Anfänger*innen
Wie ich schon angedeutet habe, gibt es eine Vielzahl an Mantrailing-Angeboten. Die durchaus – ich sag’s mal offen – sehr unterschiedlich aufgebaut sind. Daher ist es für uns zunächst wichtig, die Erwartungen und Vorstellungen der Anfänger*innen mit dem eigenen Angebot abzugleichen.
🧭 Ist unser Training deckungsgleich mit dem, was sie sich vorgestellt haben und sich wünschen?
🧭 Passen unsere Zielsetzungen zueinander – in meinem Fall: ein Mantrailing-Training, bei dem Wohlbefinden der Wegweiser ist?
Wenn das für beide Seiten passt, profitieren die Menschen von einem klaren Fahrplan. Er gibt ihnen Sicherheit und sorgt dafür, dass das Team gut ins Training starten kann.
Auch über die Anschaffungen spreche ich immer vorab – damit es nicht zu doppelten Käufen kommt, weil sich etwas im Nachhinein als ungeeignet herausstellt.
Diesen Fahrplan habe ich als Textbaustein abgespeichert und sende ihn nach dem Kennenlernen per Mail zu. Ergänzt um ein paar persönliche Anmerkungen, die sich aus dem Kennenlernen ergeben haben.
Für mich gehört zur Vorbereitung des Menschen ein theoretisches Grundverständnis zum Mantrailing zwingend dazu. Wie das vermittelt werden kann, darauf gehe ich in einem der nächsten Kapitel ein.
Kommen wir vorher noch zu den Umsteiger*innen, die sich in einer Not unterschiedlicher Natur an uns wenden. Gemeinsam haben die Umsteiger*innen, dass sie viele Fragen an uns haben. Nicht nur WIE wir etwas machen, sondern ganz konkret bei erkannten Unterschieden auch WARUM wir etwas anders machen, als sie es kennen.
Da zeigt es sich dann, ob wir mit unseren Erklärungen und der dahinterliegenden Haltung überzeugen können, oder die Vorstellungen auseinander gehen.
Umsteiger*innen durch Veränderungen im Außen
Damit meine ich Mantrailer*innen, die mit dem bisherigen Trainingsangebot zufrieden waren, aber das Angebot aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen können:
- weil sie selbst umgezogen sind und die Anfahrt zum Training nicht mehr machbar ist
- weil es das Trainingsangebot nicht mehr gibt
- weil das Trainingsangebot nicht mehr in den eigenen Alltag passt, weil beispielsweise veränderte Arbeitszeiten nicht mehr mit den Trainingszeiten kompatibel sind.
Diese Menschen haben eine klare Vorstellung vom Training und möchten gerne möglichst nahtlos so weitermachen. Sie wünschen sich eine Fortsetzung.
Manchmal sind ihnen Unterschiede im Training allerdings auch gar nicht bewusst, weil sie nur eine Art von Training kennengelernt haben und damit immer gut klargekommen sind.
Beim Kennenlernen im Live Training wird dann erkennbar, ob das eigene Angebot zu den Vorstellungen der Kund*innen passt, ein Kompromiss notwendig ist oder Änderung ausdrücklich willkommen sind.
Auch hier finde ich eine Teilnahme ohne Hund sehr sinnvoll, da so die Unterschiede und Gemeinsamkeiten sehr schnell erkannt werden und bei Nichtpassung Enttäuschungen auf Seiten der Kund*innen klein gehalten werden.
Umsteiger*innen durch Wunsch nach Veränderung
Der Wunsch nach Veränderung des Trainings kann verschiedene Gründe haben:
- die Menschen fühlen sich im bisherigen Training unterfordert, sind mit dem erzielten Fortschritten in der Suchleistung des Hundes nicht zufrieden
- die Menschen fühlten sich überfordert oder von der Atmosphäre nicht wohl
- der Hund zeigt beim Trailen immer stärker ein Verhalten, das für die Menschen problematisch ist (meistens eine unerwünscht hohe Erregungslage)
- die Rahmenbedingungen des Trainings passen nicht in das Leben der Hundemenschen
- die Menschen fühlten sich mit der Umsetzung des Trainings oder dem allgemeinen Umgang mit dem Hund nicht wohl.
Gerade die letzten beiden Personengruppen sind in der Regel deutlich vorsichtiger und schätzen ein Kennenlernen ohne Hund sehr. Gerade wenn es um die Trainingsatmosphäre geht, ist ein Erleben eindrücklicher, als diesen Punkt erfragen zu müssen. Und ohne Hund ist man einfach als Hundemensch safe. Der Gruppenzwang greift für Zuschauer noch nicht so stark. Wenn kein Hund dabei ist, muss man auch nicht entscheiden, ob man mal was „ausprobieren“ oder „zeigen“ möchte.
Manchmal sind sie auch deutlich verunsichert, weil ihre Vorstellung von Mantrailing im Speziellen oder Umgang mit dem Hund im Allgemeinen anders ist, als in dem Training, an dem sie bisher teilgenommen haben. Vielleicht haben sie auch erlebt, dass Ihre Wünsche nicht ernst genommen wurden.
Hier sind häufig viele Fragen offen, Wünsche, die eingordnet werden müssen. Manchmal sind auch Enttäuschungen und große Sorgen bei den Menschen spürbar.
Inwieweit wir den leistungsbezogenen Ehrgeiz von Menschen, die sich Veränderungen zu mehr Leistung des Hundes wünschen, erfüllen können, ist davon abhängig, inwieweit die Menschen auf das Wohlbefinden ihres Hundes Rücksicht nehmen wollen. Denn Leistung und Wohlbefinden schließen sich keinesfalls aus.
So gelingt der Einstieg ins Training
Wenn die Entscheidung gefallen ist, dass es für beide Seiten passt, wird’s konkret. Wie und wann kann das Training gestartet werden? Gibt es Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen?
Theorie vorab? Und wenn ja, wie?
Dass für Anfänger*innen Theorie vorab sinnvoll ist, ist einleuchtend. Aber auch bei Umsteiger*innen kann das im Einzelfall sinnvoll sein. Gerade wenn die Unterschiede vom bisherigen Training groß sind und die Bereitschaft oder noch besser der Wunsch nach Veränderung vorhanden ist, profitieren sowohl die Bezugspersonen als auch wir Trainer*innen davon.
Umsteiger*innen mit viel Erfahrung, deren bisheriges Training wenig Unterschiede zum eigenen ausmacht, brauchen das in der Regel nicht – und sind meistens auch nicht sehr begeistert, wenn es Pflicht ist.
Damit die Menschen sich die notwendige theoretische Basis aneignen können, gibt es unterschiedliche Wege: Online oder in Präsenz.
Ich möchte im Folgenden die Vor- und Nachteile der beiden Varianten aufzählen, denn je nach Voraussetzungen in der Hundeschule treffen nicht alle zu.
Online Wissensvermittlung
✨ Vorteile
- Vermittlung von umfassenden Inhalten möglich, weil wir einen größeren Zeitumfang anbieten können
- sehr flexibel für die Hundemenschen. Sie können die Rahmenbedingungen, unter denen die Inhalte angeschaut und gelernt werden selbst bestimmen
- nachhaltig: Die Menschen können die Inhalte mehrfach ansehen und so offene Fragen selbständig klären
- wenn der Onlinekurs einmal erstellt und automatisiert ist, fällt nur noch wenig Aufwand für die Hundeschule an
- kann zu jedem Zeitpunkt gemacht werden
- gerade für Umsteiger*innen, die den Wunsch nach Veränderung haben ein guter Einstieg (kein Risiko, viel Hintergrundinfo)
💥 Herausforderungen
- Infrastruktur für die Online-Bereitstellung muss vorhanden sein (Plattform und Logistik für Verkauf, Bezahlung und Übermittlung der Zugangsdaten)
- Erstellung des Kurses
- Änderungen müssen extra eingearbeitet werden
- keine direkten Rückfragen durch die Teilnehmer*innen
- keine Kontrolle, ob wirklich absolviert
- Risiko der Weitergabe der Inhalte
- Bereitschaft und technische Voraussetzungen müssen auch bei den Kund*innen vorhanden sein (Technikhürde)
- Leinenhandling nur eingeschränkt vermittelbar (meist in Praxis einfacher)
- kein unmittelbares Erleben und Fühlen möglich
- zeitlicher Abstand zwischen Theorie und Umsetzung in die Praxis darf nicht zu groß sein, damit das Wissen noch präsent ist
Einsteigerveranstaltungen in Präsenz
In Präsenz kann noch unterschieden werden, ob die Theorie von der Praxis abgekoppelt ist, also ob man reine Theorie-Vorträge durchführt oder Einsteiger-Workshops, bei denen auch gleich in die praktische Umsetzung gegangen wird. Auch Kombipakete sind möglich, bei denen die Theorie mit extra Praxis-Terminen zusammen angeboten werden.
Gerade bei Angeboten mit Praxisanteil braucht es gute Lösungen, damit die Hunde während der Theorie gut versorgt sind und gleichzeitig die Menschen sich mit der Aufmerksamkeit der Theorie widmen können.
Eine Trennung von Theorie und Praxis ist in der Regel gerade für Bezugspersonen von Hunden mit besonderen Bedürfnissen einfacher.
✨ Vorteile
- keine Technikhürde
- Material kann direkt angefasst werden
- Rückfragen können sofort beantwortet werden
- direkter persönlicher Eindruck
- Leinenhandling praktisch üben
- Gruppengefühl
💥 Herausforderungen
- Extra Angebot mit Zeitaufwand von Seiten der Hundeschule
- Terminpassung von Seiten der Kund*innen
- Wartezeit bis zum Präsenztermin
- Mindestteilnehmerzahl muss erreicht werden
- Unterbringung der Hunde
- limitierte Aufmerksamkeit bei Präsenzveranstaltungen. Pausen notwendig, Dauer begrenzt
- kein Nacharbeiten möglich oder ausführliches Handout
- erfahrene Zielpersonen müssen extra dazukommen (sonst erhöhter Erklärungsbedarf beim Antrailen für die Zielpersonen notwendig)
Ich habe mich für die Variante Online Einsteiger Workshop entschieden. Inzwischen ist der Kurs schon in der aktualisierten Version 2.0 erschienen.
Für mich ist dieses Variante eine extrem stimmige Lösung, denn die Struktur für die Bereitstellung und den Verkauf mit Sofortfreischaltung steht bereits. Die praktische Umsetzung, das Antrailen und das Üben des Leinenhandlings kann ich sehr gut in den Trainingseinheiten umsetzen, da kaum Wartezeit zwischen dem Zeitpunkt der Entscheidung der Interessent*innen und der praktischen Umsetzung entsteht.
Integration in die Gruppen
Die Integration der Interessent*innen in die laufenden Gruppenangebote ist natürlich von der Art des Angebotes abhängig.
Offene Gruppen bieten hier neben den fachlichen Vorteilen (wechselnde Zielpersonen, Flexibilität) einen riesigen Vorteil: Kund*innen können ohne Wartezeit auf einen freien Platz in einer festen Gruppe jederzeit einsteigen.
Zusätzliche feste Gruppentermine können auch nur nach Kapazität erstellt werden und dann müssen die Interessent*innen zu dem Zeitpunkt möglichst auch noch alle teilnehmen können.
Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, so kann in der Regel eine variable zusätzliche Stunde für ein offenes Gruppenangbot einfacher untergebracht werden, als ein fixer Gruppentermin. Eine Wartelistenfunktion im Buchungstool ist auch hier sehr hilfreich, um frei gewordene Plätze mit möglichst wenig Aufwand neu zu vergeben.
So spielt auch die Gestaltung des Gruppenangebotes eine Rolle bei der Vermittlung der Theorie. Nur wenn die Nachfrage auch bedient werden kann, macht ein Online-Angebot auch Sinn. Und umgekehrt kann für die Erstellung einer neuen festen Gruppe ein Präsenzeinsteiger Workshop sinnvoll sein.
Das erste Training
Es ist soweit. Ob nun in einer festen oder einer offenen Gruppe: das erste Training ist gebucht.
Erfahrungsgemäß schwingt häufig (nicht immer) eine gewisse Nervosität mit. Bei den Anfänger*innen gemischt mit Vorfreude und bei den Umsteiger*innen mit der Hoffnung, dass die eigenen Erwartungen nicht enttäuscht werden. Im Einzelfall kann auch noch die Sorge mitschwingen, „was die anderen über einen selbst oder den Hund denken“. Gerade dann, wenn es da schmerzhafte Vorerfahrungen bei den Menschen gibt.
Ich sehe es als unsere Aufgabe, die Rahmenbedingungen genauso zu gestalten, dass sich die Menschen möglichst wohl fühlen und mit größter Sicherheit das Training beginnen können. So schaffen wir gleichzeitig auch bessere Voraussetzungen für die jeweiligen Hunde.
Ich plane die Reihenfolge der Teams für meine Trainings immer vorab. Neue Kund*innen plane ich gerne so ein, dass sie nicht gleich die Ersten sind. So können sie auch die Menschen der Gruppe noch kennenlernen und Vertrauen fassen. Haben noch Zeit, Fragen zu stellen, da sie vor ihrem ersten Trail auch als Zielperson eingesetzt werden. Da bietet sich auch die Möglichkeit für 4-Ohren-Gespräche oder Nachfragen.
Antrailen für Anfänger*innen
Meine Struktur mit Online-Workshop vorab und offene Gruppen für das Training ermöglichen es mir, die Teams im regulären Training anzutrailen.
Aus dem Online-Workshop wissen sie, was sie zum Training mitnehmen müssen (Ausrüstung, Jackpots und Geruchsartikel für ihren Einsatz als Zielperson).
Ein großer Vorteil liegt darin, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit in dem Training auch erfahrene Hundemenschen dabei habe, die mir als Trainerin das Antrailen erleichtern. Warum? Weil sie sich aus Erfahrung und Wissen passend verhalten und so keine Verzögerung entsteht, weil ich sie erst anleiten muss. Natürlich sprechen wir Plan A, B und auch C ab. Aber viel einfacher ist es, wenn die Zielperson sich bereits von sich aus zielführend verhält und nicht erst auf meine Anweisung hin.
Wie genau das Antrailen bei mir läuft, habe ich in dem extra Blogartikel „Das Antrailen“ beschrieben. Ich möchte an dieser Stelle nur nochmal wiederholen, dass ich die ersten Schritte immer mit einem Stoffhund mache. So spielen wir mit dem Stoffhund die ganze Szene ein- oder mehrmals durch. So wissen die Anfänger*innen ziemlich genau, was auf sie zukommt und wir können ungünstiges Verhalten vermeiden. Die Hunde profitieren sehr davon, wenn dann alles reibungslos und ohne große Erklärpausen läuft.
Der Kennenlerntrail für Umsteiger*innen
Den Kennenlerntrail für Umsteiger*innen lege ich so, dass das Team mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Erfolg haben wird. Es geht hier nicht darum, etwas zu beweisen, zu testen, sondern erstmal „anzukommen“. Dabei hat es sich bewährt, dass die Umsteiger*innen ohne Veränderungswunsch auch erstmal genauso starten und trailen, wie sie es bisher gemacht haben. Und dann wird anschließend besprochen, ob Veränderungen notwendig oder sinnvoll sind.
Und ja, es kann passieren, dass der Kennenlerntrail dann deutlich unter dem bisherigen Schwierigkeitsgrad des Teams liegt. Aber mir ist dieses Risiko deutlich lieber, als dass der Hund in Schwierigkeiten gerät und der erste Trail in der neuen Trainingsgruppe nicht gut läuft.
Bei Umsteiger*innen, die sich Veränderung gewünscht haben, spreche ich im Training nochmal genau ab (z.B. während ich sie als Zielperson wegbringe), wie es bisher lief und was für sie daran nicht so erwünscht war. Und dann unterbreite ich Änderungsvorschläge. Und der Vorschlag, der sich für den Menschen gut anfühlt, den setzen wir um. Das kann auch mal Plan B oder C sein.
Chancen & Risiken
Menschen bringen immer ihre eigene Geschichte mit ins Training. So ist gerade beim Angebot des Mantrailings die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch Hundemenschen ins Training kommen, die bisher keine oder wenig Berührungspunkte mit bedürfnisorientiertem Umgang mit Hunden haben. Oder auch eine deutlich andere Haltung haben. Das ist Chance und Risiko zugleich.
Chance, Menschen durch Erlebenlassen und Zeigen von unserer Haltung zu überzeugen. Menschen auf die Wirkung von Bildern und Sprache in der Hundewelt auf Social Media, Hundewiesen und selbsternannten Hundeexpert*innen aufmerksam zu machen und zu informieren.
Andere Haltung im Hundetraining
Was für uns Trainer*innen immer eine Gratwanderung ist: Wenn Menschen eine komplett andere Haltung zum Umgang mit Hunden haben. Wenn Menschen als Training bewusst Hemmen, Schmerz, Schreck oder Einschüchterung einsetzen.
Oder wenn an einem Punkt der Satz „Da muss der Hund jetzt durch“ kommt. Wenn Leistung über Wohlbefinden gestellt wird.
Eines ist für mich in dieser Gratwanderung jedoch glasklar: Wenn Menschen es nie anders gelernt haben und es folglich gar nicht anders können, sind Tür und Tor für Training bei mir offen.
Und ja, beim Umlernen wird es auch immer wieder Rückfälle in alte Gewohnheiten geben. Das ist menschlich. Diesen Weg gehe ich gerne mit.
Schwierig wird es für mich persönlich, wenn Menschen aber weiterhin mit ihrem Hund so umgehen wollen, weil sie davon überzeugt sind.
Und ich sage es jetzt ganz ehrlich. Ich glaube nicht, dass es eine Standardlösung dafür gibt, wie wir Trainer*innen damit umgehen können. Habe ich ja für mich selbst auch keine Standardlösung.
Aber gehen wir mal ins Detail, worum es eigentlich geht.
Welche Gedanken uns daran hindern, diese Menschen unmittelbar von unserem Training auszuschließen:
- wir wollen für den Hund was Gutes erreichen
- wir hoffen, dass wir es eines Tages doch schaffen, dass der Mensch vielleicht seine Haltung hinterfragt
- wir verlieren Umsatz
Welche Gedanken dafür sprechen, das Training mit diesem Menschen zu beenden:
- unser eigenes Wohlbefinden. Nicht mehr in dieses Unwohlsein reingehen zu müssen
- die gute Atmosphäre der Trainingsgruppe zu schützen
- ein Bild nach außen zu bieten, das mit der eigenen Haltung vereinbar ist, da wir in der Öffentlichkeit trainieren
Ich denke, es wird immer eine individuelle Entscheidung jeder einzelnen Trainer*in mit jedem einzelnen Menschen sein. Ob wir uns von diesen Kund*innen trennen und wenn ja, wann. Und diese Entscheidung kann auch im Verlauf der Zeit kippen. Wenn wir erkennen, dass wir die Situation nicht mehr tragen können.
Genau für diese Fragen sind Gemeinschaften, in denen wir uns als Trainer*innen ehrlich austauschen können, goldwert. Sie helfen, Klarheit für den eigenen Weg zu entwickeln.
In den Masterclasses meiner Membership für Mantrailing als Enrichment greifen wir genau solche Themen auf. Gemeinsam und offen. Mit Verständnis für die jeweilige Situation und getragen von unterschiedlichen Erfahrungen in der Gruppe.
Zweigleisig trainieren?
Deutlich einfacher, wenn auch nicht banal, ist die Fragestellung zu beantworten, ob Kund*innen bei verschiedenen Anbieter*innen Mantrailing machen können.
Hier gibt es die klare Antwort: Es kommt drauf an 😉
Diese Frage beantworte ich tatsächlich konsequent aus der Sicht des Hundes. Wenn das Training ähnlich genug ist, sich die „Rechte und Pflichten“ des Hundes im Training kaum unterscheiden, dann sehe ich da kein Problem. Ganz im Gegenteil. Feedback von Kolleg*innen ist ein sehr gutes Mittel gegen die eigene Betriebsblindheit.
Schwierig wird es hingegen, wenn für den Hund unterschiedliche Regeln gelten.
Wenn der Hund z. B.
- bei dem einen Training den Trail unterbrechen und auch komplett aus der Suche ohne Verlust des Jackpot aussteigen darf – bei dem anderen Training Druck ausgeübt wird, den Trail zu beenden.
- wenn in dem einen Training der Hund Unterstützung bekommt, bei dem anderen Training vollkommen auf sich allein gestellt ist.
In diesen Fällen bitte ich die Kund*innen, sich für eine Art des Trainings zu entscheiden und dann dabei zu bleiben. So hat der Hund zumindest eine sichere Erwartungshaltung, wenn es um Mantrailing Training geht.
Aller Anfang darf leicht sein
So unterschiedlich die Gründe auch sind, warum Menschen bei uns nach Mantrailing-Training fragen – eines ist für mich zentral: Klarheit von Anfang an macht es leichter. Für alle Beteiligten.
Ich möchte den Weg des Kennenlernens über die Teilnahme ohne Hund nicht mehr missen. Wer sich selbst einen Eindruck vom Training machen kann, kommt erfahrungsgemäß mit realistischen Erwartungen und deutlich entspannter ins Training. Gerade unsichere Menschen und solche, die schon schlechte Erfahrungen in Hundeschulen gemacht haben, finden so einen Einstieg mit sehr niedriger Hemmschwelle.
Und auch wenn mit neuen Kund*innen immer unterschiedliche Erwartungen und Erfahrungen ins Training kommen: Je besser das Kennenlernen im Vorfeld gelingt, desto seltener entstehen später Enttäuschungen – auf beiden Seiten.
Für mich bedeutet ein leichter Anfang auch, genau hinzuschauen: Was bringt das Team mit? Was braucht es jetzt? Und wie kann ich den Einstieg so gestalten, dass er für Mensch und Hund gut machbar ist?
Für mich ist die Kombination aus Online-Workshop als Vorbereitung auf den Einstieg und dem Training in offenen Gruppen ideal. Ob online oder in Präsenz: Theorie vorab ist gerade für Anfänger*innen enorm wichtig. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, sodass es keine pauschale Lösung geben kann.
Das erste praktische Training gestalte ich bewusst so, dass neue Kund*innen möglichst sicher ins Trailen finden und mit einem Glitzern in den Augen nach Hause gehen.