Negativarbeit beim Mantrailing

Negativ Arbeit beim Trailen als Enrichment - Ja natürlich - allerdings nur wenn die Voraussetzungen stimmen
Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Beim letzten Wochenende des Präsenzseminares der IBH-Trainerweiterbildung stand Negativarbeit auf dem Programm. Erst Theorie und dann sofort Umsetzung in die Praxis für die Hunde, die bereit dafür waren.  Eine Teilnehmerin sagte zu Beginn des Seminares:

„Seit Jahren habe ich immer Abstand von Negativarbeit beim Trailen genommen, weil ich die Ansätze frustrierend für die Hunde empfunden habe. So wie Du es aufbaust und mit dem Trailen auf dem Geruchsband als Basis ist es für mich nun absolut stimmig und nicht frustrierend für den Hund – ganz im Gegenteil.“

Die anschließende praktische Durchführung der Negativanzeige zeigte sich als Erfolg auf ganzer Linie – und ohne Frust.

Wie schauts bei Dir aus mit der Negativarbeit beim Trailen?

Hier kannst Du Dir den Blogartikel auch als Audio anhören:

Was genau ist überhaupt Negativ Arbeit? Es gibt zwei Varianten der Negativarbeit, den Negativ-Abgang und das Negativ-Ende.

Negativ-Abgang:
Es gibt am Start keinen Trail zu dem präsentierten Geruchsträger.

Negativ-Ende:
Der Trail endet, weil die Zielperson in ein geschlossenes Fahrzeug eingestiegen und weggefahren ist (Auto, Bus, Zug,…).

Das bedeutet, dass der Hund in keinem der beiden Fällen eine Person am Ende des Trails finden kann. Und darin begründet sich auch der Schluss, dass Negativ-Arbeit für den Hund frustrierend ist, weil er die gestellte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Was aber, wenn die Aufgabe für den Hund  grundsätzlich gar nicht „Finde die Person zu diesem Geruchsträger“ lautet?

Genau das ist beim Ansatz des „Trailens auf dem Geruchsband“ der Fall!

Voraussetzungen für Negativarbeit beim Trailen als Enrichment

Beim „Trailen auf dem Geruchsband“ lautet die Aufgabe nämlich:

Zeige mir den Weg, den die Person, die zu diesem Geruchsträger gehört, gelaufen ist.

Und schon ist der Erfolg und die Erfüllung der Aufgabe vom Auffinden der Person abgekoppelt. Damit kann der Auftrag an den Hund uch bei der Negativ-Arbeit erfolgreich erfüllt werden.

Der Hund kann uns sowohl das Fehlen als auch das Ende des passenden Trails aktiv anzeigen.  Und natürlich bekommt der Hund dann auch seinen üblichen (! ja – die gleiche Wertigkeit) Jackpot! Diese aktive Negativ-Anzeige wird kleinschrittig und stimmig für den Hund aufgebaut und geformt.

👉 Den häufigen Einwand, dass der Hund dann ja gar nicht mehr läuft, wenn er ohne Trail beim Negativ-Abgang seinen vollen Jackpot bekommen würde,  kann ich (und die Einsatztrailer, die Trailen auf dem Geruchsband praktizieren) klar entkräften.

Wenn

  • das Training für den Hund gut aufgebaut ist
  • der Hund die Aufgabe des Trailens auf dem Geruchsband verstanden und richtig mit dem Geruchsartikel verknüpft hat und
  • das Trailen in seiner Gesamtheit ihm Freude bereitet,

dann geht er sicher auf den Trail, wenn es einen passenden Trail zum Geruchsträger gibt oder zeigt uns das Fehlen oder Enden des passenden Trails aktiv an.

Achtung – wenn die Aufgabe des Hundes „finde die Person – egal wie“ lautet, dann sieht die Sachlage natürlich anders aus.

Bedeutung der Negativarbeit

Dass eine präzise Negativ-Anzeige für den Ernsteinsatz matchentscheidend ist, steht außer Frage, denn das Wissen um das exakte Ende eines Trails verändert den Verlauf der weiteren Suchmaßnahmen entscheidend. Schon aus diesem Aspekt ist das „Trailen auf dem Geruchsband“ ein sehr effektiver Weg der Personensuche.

Aber wir suchen ja gar keine Vermissten oder Täter – wir trailen ja als Enrichment. Wieso führe ich diese Aufgabenstellung überhaupt ein? Macht das beim Einsatz als Enrichment denn überhaupt Sinn?

Ja – macht es, weil wir dem Hund dadurch die Möglichkeit einer aktiven Anzeige für das Ende oder Nichtvorhandensein des passenden Trails geben. Der Hund kann uns diese Information für ihn bedürfniserfüllend vermitteln. Er kann die ihm gestellte Aufgabe lösen und bekommt dafür die versprochene Belohnung in Form des üblichen Jackpots – ich wiederhole – das üblichen Jackpots 😉!

Aufbau der Negativarbeit

Wenn der Hund die ihm gestellte Aufgabe (Trailen auf dem Geruchsband) sicher verstanden hat und auch nachweislich mit dem präsentierten Geruchsartikel verknüpft hat, dann steht grundsätzlich die Tür für Negativ-Arbeit offen. Der richtige Zeitpunkt ist jedoch wieder mal sehr individuell und vom Hundetyp abhängig.

Ich beginne grundsätzlich mit dem Negativ-Abgang (und zwar nicht mit einem Geruchsträger einer Person, sondern mit einer sterilen Kompresse). Und je nach Trainingssituation (Seminarsituation oder lokale Trainingsgruppen) kommt dann früher oder später das Negativ-Ende.

Nach kleinschrittigem Aufbau der Anzeige wird dieses Verhalten gefestigt. Erst wenn die Negativ-Anzeige sicher funktioniert, beginne ich, die Anzeige zu hinterfragen und bestätige den Hund sofort, wenn er bei seiner richtigen Entscheidung bleibt.

👉 Wichtig:

  1. eingesetzte Geruchsträger beim Negativ-Abgang dürfen nur von Personen stammen, die zuverlässig am  besten niemals auch nur in der Nähe des Startortes waren
  2. sämtliche Rahmenbedingungen beim Negativ-Abgang müssen identisch zu einem Start mit vorhandenem Trail sein
  3. Negativ-Ende: Wenn die Person mit dem Auto am Endpunkt abgeholt wird, bitte alle Fenster komplett schließen und die Lüftung aus- oder auf Innenraumumluft stellen (entfällt beim Bus- oder Zug-Pickup 😇)
  4. und weil ich es gar nicht oft genug betonen kann: Der Hund bekommt bei der richtigen Anzeige auch den vollen Jackpot

Zusammenfassung

Negativarbeit beim Mantrailing kann eine sehr bereichernde Aufgabenstellung für das Team sein, wenn die Voraussetzungen stimmen:

  • der Hund wird mit der Aufgabenstellung „Trailen auf dem Geruchsband“ ausgebildet
  • es ist sichergestellt, dass beim Negativabgang ein Geruchsartikel eingesetzt wird, zu dem es gesichert keinen Trail vor Ort gibt
  • es ist sichergestellt, dass beim Negativende die Abholung so „geschlossen“ wie möglich umgesetzt wird (Fenster zu, Lüftung aus)
  • Sämtliche Rahmenbedingungen sind unverändert (Ausrüstung, Begleitung, …)
  • der Hund bekommt den üblichen Jackpot

Wie der Aufbau der Negativ-Arbeit beim Trailen auf dem Geruchsband konkret vor sich geht, welche Stolpersteine es gibt und wie Du sie umgehst, kannst Du in meinem Online Workshop lernen:

Online Workshop zum Thema Negativarbeit

Mein Workshop richtet sich gezielt an Mantrailing Trainer*innen, die Mantrailing als Enrichment einsetzen und auf dem Geruchsband trailen (oder darauf umstellen wollen 😉).

Das enthält der Workshop:

3 Module mit 19 Videos aufgeteilt in thematische Kapitel

  • Definition und Augangssituation
  • Die Bedeutung der Negativarbeit in Realeinsätzen
  • Mantrailing als Enrichment
  • Negativ Arbeit als Enrichment?
  • Der Aufbau
  • Voraussetzungen
  • Zeitpunkt der Einführung
  • Eine Übung zur Demonstration
  • Das Vorgehen bei der Einführung
  • Negativ Abgang: Aufbau, Festigung und Stolpersteine
  • Negativ Ende: Aufbau, Festigung und Stolpersteine
  • Schlussfolgerungen
  • Trailen auf dem Geruchsband
  • Zusammenfassung und Video Beispiel Negativ Ende
  • Schlusswort

Und um auf die Frage vom Beginn zurückzukommen: Wie siehts bei Dir aus mit der Negativ-Arbeit?  Bekommt Dein Hund den vollen Jackpot – und falls nein – wie denkst Du jetzt darüber?

In dem Workshop wirst Du viel tiefer in das Thema eintauchen können.

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