Das passende Mantrailing-Training finden – Orientierung für alle, deren Ziel Wohlbefinden und Präzision ist

Mantrailing-Training auswählen – Kompasssymbol auf farbigem Hintergrund als Orientierung für Training mit Wohlbefinden und Präzision
Geschätzte Lesedauer: 14 Minuten

Mantrailing wird inzwischen an vielen Orten angeboten. Doch Mantrailing ist nicht gleich Mantrailing. Trainingsangebote unterscheiden sich teilweise deutlich darin, welche Ziele sie verfolgen und wie Training gestaltet wird. Für Hundemenschen ist das von außen oft nicht leicht zu erkennen.

Wenn Du ein Mantrailing-Training suchst, bei dem präzises Arbeiten und Wohlbefinden zusammen gedacht werden, lohnt sich ein genauer Blick auf Aufbau, Atmosphäre und Umgang mit den Teams.

In diesem Artikel zeige ich Dir, worauf Du achten kannst, um ein Trainingsangebot zu finden, das wirklich zu Dir und Deinem Hund und Ziel passt.

Das Wichtigste in Kürze

🧭 Mantrailing-Training kann sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Deshalb lohnt es sich, Trainingsangebote genauer zu betrachten.

🧭 Trainingsangebote können sich darin unterscheiden, ob vor allem das Ergebnis (die gefundene Person) oder auch das Erleben des Hundes während der Suche im Mittelpunkt steht.

🧭 Je nach Zielsetzung kann Mantrailing unterschiedlich gestaltet werden – etwa mit Blick auf Präzision, Schwierigkeit der Trails oder das Wohlbefinden des Hundes im Training.

🧭 Der erste Schritt ist, für Dich zu klären, welches Ziel Du mit dem Mantrailing verfolgst.

🧭 Trainingsangebote unterscheiden sich unter anderem in Organisation, Trainingsatmosphäre und Ablauf einer Trainingseinheit.

🧭 Wie ein Training gestaltet ist, zeigt sich nicht nur auf dem Trail selbst, sondern auch bei Vorbereitung, Aufgabenstellung, Umgang mit Schwierigkeiten und Nachbesprechung.

🧭 Auch der Umgang mit Fehlern und Unterbrechungen verrät viel darüber, wie Lernen und Zusammenarbeit im Training verstanden werden.

🧭 Fachliches Wissen über Mantrailing, Lernverhalten und Hundeverhalten hilft Trainer*innen, Trails verständlich aufzubauen und an Teams anzupassen.

🧭 Wenn Du diese Zusammenhänge kennst, kannst Du Trainingsangebote besser einordnen und bewusste Entscheidungen für Dich und Deinen Hund treffen.

Diese Zusammenhänge werden auch ausführlich in meinem Buch erklärt.

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Mantrailing ist nicht gleich Mantrailing – und deshalb lohnt sich die Frage nach Deinem Ziel

Das Angebot an Mantrailing-Training ist bunt und vielfältig. Damit Du ein Training finden kannst, das wirklich zu Dir und auch zu Deinem Hund passt, brauchst Du zunächst Klarheit über Dein eigenes Ziel:
Was erwartest Du vom Training? Was möchtest Du erreichen – und wie möchtest Du es erleben und wie soll Dein Hund es erleben?

Denn je nach Ausrichtung werden im Training unterschiedliche Wege gegangen. Wenn das Ziel eines Trainingsangebotes nicht mit Deinem eigenen Ziel übereinstimmt, sagt das – vom grundsätzlichen Umgang mit dem Hund einmal abgesehen – nicht unbedingt etwas über die Qualität des Trainings aus.

Die entscheidende Frage lautet also:

Warum möchtest Du mit Deinem Hund trailen? Was sind Deine Ziele?

Wenn Du hier kurz stockst und denkst: Ja… was ist eigentlich mein Ziel?
Dann kannst Du das mit drei kurzen Fragen schnell für Dich klären.

In diesem Artikel geht es darum, wie Du ein passendes Trainingsangebot erkennen kannst, wenn Du Dir präzises Mantrailing und gleichzeitig Wohlbefinden für Mensch und Hund wünschst.

Wohlbefinden und Präzision gehören zusammen – LIFE als Kompass im Mantrailing

In der letzten Podcastfolge habe ich mit Gerd Schreiber über Enrichment gesprochen und über Training, das mehr sein kann als eine Beschäftigungseinheit.

Beschäftigung als Enrichment bedeutet nicht einfach nur, einem Hund eine Aufgabe zu geben. Es geht darum, sie so zu gestalten, dass sie Bedürfnisse berücksichtigt, Sicherheit gibt und Entwicklung ermöglicht – sowohl für den Hund als auch für den Menschen.

Ein hilfreicher Kompass dafür ist das LIFE-Modell. Es beschreibt einen Ansatz, bei dem zwei Dinge gleichzeitig im Blick bleiben:
das Ziel, das wir im Training erreichen möchten, und das Erleben des Weges dorthin.

Gerade beim Mantrailing ist dieser Zusammenhang besonders wichtig. Die Aufgabe ist anspruchsvoll. Sie verlangt Konzentration, Gedächtnisleistung und sie findet in einer komplexen Umgebung zusammen mit dem Teampartner Mensch statt.

Damit ein Hund diese Aufgabe wirklich lösen kann, braucht er nicht nur eine kleinschrittige Hinführung, sondern auch einen Rahmen, in dem er sich sicher fühlen und handlungsfähig bleiben oder werden kann.

Hier zeigt sich etwas Entscheidendes:

Präzision und Wohlbefinden sind keine Gegensätze.

Im Gegenteil. Ein Training, das beides im Blick behält, schafft die Grundlage dafür, dass Hunde eine Aufgabe zuverlässig lösen können – und dass sie diesen Weg gerne gehen. Zusätzlich mit der Erwartungssicherheit, ohne Verlust der Belohnung auch aus der Aufgabe aussteigen zu können.

Wenn das auch Dein Ziel ist, stellt sich die nächste Frage:

Woran erkennst Du ein Trainingsangebot, das genau diesen Weg verfolgt?

Ein Training von Anfang bis Ende betrachten

Wenn Du herausfinden möchtest, ob ein bestimmtes Mantrailing-Angebot wirklich zu Deinem Ziel passt, lohnt es sich, ein Training einmal als Ganzes zu betrachten.

Nicht nur die Phase, in der der Hund auf dem Trail arbeitet, sondern alles, was davor und danach passiert.

Denn ein Training beginnt nicht erst mit dem Ansetzen am Geruchsartikel – und es endet auch nicht mit dem Finden der Zielperson.

Organisation, Vorbereitung, Ankommen im Training, die Art der Heranführung an die Aufgabe, der Umgang mit Schwierigkeiten, die Nachbesprechung und auch das Gruppenerlebnis gehören genauso dazu.

All diese Elemente geben Hinweise darauf, wie Training gedacht und gestaltet wird.

Betrachten wir ein Training nun gedanklich Schritt für Schritt durch die Enrichment-Brille. Denn wenn Dein Ziel darin liegt, präzises Mantrailing und Wohlbefinden miteinander zu verbinden, zeigt sich hier oft sehr deutlich, ob ein Angebot für Dich passt.

100 Organisation und Vorbereitung

Organisation und Vorbereitung

Noch bevor das allererste Training stattfindet, verrät bereits die Organisation eines Trainings viel über dessen Ausrichtung.

Gibt es eine Möglichkeit, sich vorab über das Training zu informieren – bereits als Entscheidungshilfe, ob es für Dich passend ist? Kannst Du jederzeit in das Training einsteigen oder musst Du warten, bis ein Platz frei wird? Und hast Du die Möglichkeit, Dich vor der Praxis auch mit der Theorie zu befassen?

Wie ein Training geplant und vorbereitet wird, zeigt, welches Verständnis von Lernen dahintersteht. Wird erklärt, was heute trainiert werden soll und warum? Gibt es Raum für Fragen? Oder wird erwartet, dass alle einfach mitmachen und schon wissen, wie es läuft?

Auch die Struktur des Angebots selbst spielt eine Rolle.

Manche Angebote lassen mehr Spielraum – zum Beispiel bei der Wahl der Trainingseinheiten, also wann und wie oft aber auch der Trainingsorte. Das kann für Teams hilfreich sein, wenn Training zum Alltag von Mensch und Hund passen soll – sowohl was die Termine als auch die Trailorte angeht.

Wie wichtig diese organisatorische Flexibilität ist, kann von Team zu Team unterschiedlich sein. Für manche Menschen sind feste Termine gut planbar, andere brauchen mehr Spielraum, um Training gut in ihren Alltag integrieren zu können.

Ein weiterer Aspekt ist der zeitliche Rahmen des Trainings. Wie lange dauert eine Einheit? Wie viel Zeit bleibt, um anderen Teams zuzuschauen, Fragen zu stellen oder Zusammenhänge zu verstehen?

Denn gerade das Beobachten anderer Teams kann sehr wertvoll sein. Es hilft zu sehen, wie unterschiedlich Hunde arbeiten, wie Trainer*innen reagieren und wie mit verschiedenen Situationen umgegangen wird.

All diese organisatorischen Rahmenbedingungen wirken auf den ersten Blick vielleicht nebensächlich. Tatsächlich prägen sie aber stark, wie Training erlebt wird – und wie gut es sich an die Bedürfnisse der Teams anpassen kann.

Gerade wenn Dein Ziel darin liegt, präzises Arbeiten und Wohlbefinden miteinander zu verbinden, lohnt es sich, auch auf diese äußeren Strukturen zu achten. Denn sie bilden den Rahmen, in dem das eigentliche Training stattfindet.

Je flexibler ein Training organisiert ist, desto leichter kann es auch an besondere Bedürfnisse von Menschen und Hunden angepasst werden.

100 Atmosphäre

Trainingsatmosphäre

Neben der Organisation prägt auch die Atmosphäre innerhalb einer Trainingsgruppe stark, wie ein Training erlebt wird.

Schon der Beginn kann Hinweise geben. Gibt es einen gemeinsamen Start, bei dem alle kurz zusammenkommen? Und einen gemeinsamen Abschluss, der den Trainingstag für alle abrundet?

Auch der Umgangston spielt natürlich eine wichtige Rolle. Wie wird mit den Menschen gesprochen, die mit ihren Hunden trainieren? Werden sie unterstützt und ermutigt, oder entsteht eher Druck, möglichst schnell alles richtig zu machen?

Ebenso aufschlussreich ist die Sprache über die Hunde. Wird Verhalten wertschätzend beschrieben und erklärt – oder fallen schnell Etiketten und Zuschreibungen? Werden Schwierigkeiten gemeinsam eingeordnet, oder wirkt es eher so, als müsse ein Team „einfach funktionieren“? Wird der Hund mit seinen Bedürfnissen im Training als gleichwürdig betrachtet, oder gibt es eine klare Hierarchie zugunsten der Bedürfnisse des Menschen?

Ein Training, das Wohlbefinden und präzises Arbeiten miteinander verbinden möchte, schafft in der Regel einen Rahmen, in dem Hunde und Menschen Sicherheit bekommen.

Dazu gehört auch, dass nicht nur auf das geschaut wird, was noch nicht so toll läuft, sondern auch auf das, was bereits gut funktioniert. Und das auch klar zu benennen, zu loben, zu feiern und sich gemeinsam zu freuen.

Wenn Kritik geäußert wird, stellt sich die Frage, wie sie vermittelt wird. Hilft sie dabei, das Verhalten besser zu verstehen und neue Lösungswege zu finden? Oder bleibt sie bei der bloßen Feststellung, dass etwas nicht gut oder nicht richtig war?

Und schließlich zeigt sich in der Gruppe selbst viel über die Atmosphäre eines Trainings. Wirkt es wie eine Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsam lernen und eine gute Zeit haben möchten? Oder eher wie eine Abfolge einzelner Teams, die nacheinander ihre Aufgabe erledigen?

Gerade diese sozialen Aspekte sind für das Gesamterleben wichtig. Wird das Lernen als gemeinsamer Prozess erlebt oder als Wettbewerb? Sich sicher, gesehen und mit der Gruppe verbunden zu fühlen, gehört zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen.

100 ankommen

Ankommen im Training

Auch der Moment, in dem Teams im Training ankommen, sagt viel über die Ausrichtung eines Angebots aus.

Wie wird das Ankommen organisiert? Gibt es klare Absprachen darüber, wie Hunde vorbereitet ins Training kommen sollen – zum Beispiel, dass sie vorher ausreichend Gelegenheit hatten, sich zu lösen und sich kurz zu orientieren? Und wissen die Teilnehmer*innen bereits im Vorfeld, wie der Ablauf am Treffpunkt gedacht ist?

Solche Absprachen sorgen dafür, dass ein möglichst hohes Maß an Sicherheit für die Teams geschaffen werden kann, bevor sie in eine anspruchsvolle Aufgabe starten.

Ebenso hilfreich ist es, wenn für die Teams transparent ist, wie der Ablauf des Trainings geplant ist. Eine Angabe der Reihenfolge der Starts gibt klare Orientierung für alle: Wer ist wann für wen Zielperson und wann startet der eigene Hund?

Gerade beim Mantrailing spielt auch die Tagesform eine Rolle. Hunde – und Menschen – bringen an jedem Trainingstag unterschiedliche Voraussetzungen mit. Ein kurzer Austausch zu Beginn kann helfen einzuschätzen, wie es dem Team gerade geht und ob besondere Umstände berücksichtigt werden sollten.

Daran zeigt sich oft auch, wie flexibel ein Training gestaltet wird. Bleibt die Aufgabenstellung für alle gleich, oder wird sie an die aktuelle Situation eines Teams angepasst? Wird gemeinsam überlegt, was an diesem Tag sinnvoll ist, oder folgt das Training einem festen Ablauf – unabhängig davon, wie es Hund und Mensch gerade geht?

Solche scheinbar kleinen Momente zu Beginn eines Trainings geben oft wichtige Hinweise darauf, wie aufmerksam auf die Bedürfnisse der Teams geschaut wird – und wie viel Raum es gibt, Training an die jeweilige Situation anzupassen.

100 auf dem Trail

Auf dem Trail

Jetzt kommen wir zum Kernstück des Trainings: dem Trail selbst.

Schon die Vorbereitung des einzelnen Trails ist relevant. Wird der Trail für das jeweilige Team individuell geplant, oder arbeiten alle Teams denselben Trail aus? Wie sorgfältig wird mit dem Geruchsträger umgegangen und wie wird er dem Hund präsentiert?

Gerade der Start eines Trails sagt viel über die Gestaltung eines Trainings aus. Wie verhalten sich die Hunde am Startpunkt? Wird dort Druck auf die Hunde ausgeübt oder bekommen sie Unterstützung? Welche Atmosphäre entsteht in diesem Moment? Wird das Startritual an das jeweilige Team angepasst oder muss sich das Team einem festen Startritual anpassen?

Auch unterwegs lässt sich vieles beobachten. Welche Rolle nimmt die Trainer*in ein? Begleitet sie das Team unterstützend und hilft dabei, das Verhalten des Hundes einzuordnen – oder wirkt die Begleitung eher wie eine Prüfinstanz, die bewertet, ob Hund und Mensch „richtig“ arbeiten? Wird der Hund auf dem Trail unterstützt, wenn er Hilfe braucht, oder ist er weitgehend auf sich allein gestellt?

Werden Zusammenhänge erklärt? Wird das Verhalten des Hundes in Beziehung zum Verlauf des Trails gesetzt? Werden mögliche Einflüsse aus der Umgebung oder aus dem Trailverlauf gemeinsam betrachtet?

Auch das Tempo des Teams kann Hinweise geben. Wie schnell ist das Team unterwegs? Sucht der Hund fokussiert oder sind viele große Bewegungen zu sehen? Bekommt das trailende Team Sicherheitshinweise in Bezug auf die Umwelt – etwa zu Autos, Radfahrer*innen, anderen Hunden oder Katzen? Erhält das Team Unterstützung beim Bewältigen dieser Herausforderungen? Oder ist das allein Aufgabe des trailenden Teams?

Auch die Verbindung über die Leine spielt eine Rolle. Welche Funktion hat sie im Training? Ist sie lediglich eine Sicherung im öffentlichen Raum – oder auch eine fühlbare Verbindung zwischen Mensch und Hund? Wird erklärt, wie das Handling der Leine gedacht ist und warum es so umgesetzt wird? Und bleibt der Hund mit seiner Suchaufgabe dabei in Verbindung mit seinem Menschen – oder wirkt es eher so, als würde er am anderen Ende der Leine sich selbst überlassen?

Auch der Rahmen um das arbeitende Team herum spielt eine Rolle. Kann die Gruppe den Trail begleiten, so dass sie andere Teams beobachten und lernen können? Und wird dabei gleichzeitig gewährleistet, dass das arbeitende Team nicht beeinträchtigt wird?

All diese kleinen Beobachtungen ergeben zusammen ein recht klares Bild davon, wie das Mantrailing-Training verstanden wird – und welche Rolle Unterstützung, Sicherheit und gemeinsames Lernen im Training spielen.

100 nicht funktioniert

Wenn etwas nicht funktioniert

Gerade in Momenten, in denen etwas nicht so läuft wie geplant, zeigt sich oft besonders deutlich, wie Training verstanden wird.

Was passiert, wenn ein Hund den Trail nicht weiter ausarbeitet? Wenn er stehen bleibt und sich mit der Umwelt auseinandersetzt? Oder wenn er an einem Entscheidungspunkt nicht weitergeht und sich an seinen Menschen wendet?

Solche Situationen können viele Ursachen haben: Der Trail war zu schwer, die Umgebung zu anspruchsvoll, der Zeitpunkt ungünstig, der Hund noch nicht mutig genug zu führen …

Interessant ist daher weniger, ob solche Situationen auftreten, sondern wie damit umgegangen wird.

Wird Druck aufgebaut, damit der Hund die Aufgabe weiterführt? Oder wird zunächst geschaut, welche Gründe hinter dem Verhalten stehen könnten und nach Lösungen gesucht, wie der Hund von sich aus weitermachen kann? Wird das Verhalten des Hundes als „Fehler“ interpretiert – oder als Hinweis darauf, dass an der Gestaltung des Trails etwas angepasst werden muss. 

Gerade im Mantrailing als Enrichment gehört dazu auch ein anderer Blick auf die Aufgabe selbst. Sie ist ein Angebot an den Hund. Ein Angebot, das er annehmen, unterbrechen oder auch beenden kann – ohne den Verlust der Belohnung zu riskieren.

Auch die Sprache, mit der solche Situationen beschrieben werden, verrät viel über die Haltung im Training. Wie wird erklärt, wenn ein Hund sich unterwegs mit anderen Gerüchen beschäftigt, also „privat schnuppert“? Wird das Verhalten als Ungehorsam oder Verweigerung beschrieben – oder als Information darüber, was für den Hund in diesem Moment gerade möglich oder vielleicht auch wichtiger ist?

Privatschnuppern ist übrigens eine Information – über Bedürfnisse und Motivation. Kein Fehlverhalten.

Auch der Moment des Findens und das Anzeigeverhalten geben Hinweise darauf, wie Training verstanden wird. Wie wird dieser Moment gestaltet? Wird ein möglicher Motivationskonflikt für den Hund verhindert? Beispielsweise, dass der Hund Meideverhalten an der Zielpeson zeigt? Wird auf ein fixes Anzeigeverhalten bestanden, oder reicht ein individuell erkennbares Anzeigeverhalten?

Ein weiterer Blick lohnt sich auf die Rolle der Trainer*in. Greift sie ein, wenn ein Mensch sich auf dem Trail ungünstig für den Hund verhält? Und wenn ja – wann und wie geschieht das? Wird erst hinterher kritisiert oder wird aktiv eingegriffen und das Team unterstützt, um die Situation für das Team zu verbessern? Wird das Team dabei unterstützt, wieder gut aus der Situation herauszukommen. Wird erklärt und gezeigt, wie es für das Team hilfreicher sein könnte?

Gerade die Situationen, in denen es nicht wie geschmiert läuft, zeigen sehr deutlich, welche Rolle Fehler im Training spielen: als Anlass für Druck – oder als Information für die nächste Trainingsentscheidung.

100 Rückweg

Rückweg und Nachbesprechung

Wichtig: Nach dem Finden der Zielperson ist das Training noch nicht beendet. Der Rückweg und die Nachbesprechung gehören genauso zur Trainingseinheit wie der Trail selbst.

Viele Hunde sind am Ende eines Trails in einer hohen Erregungslage. Wie wird damit umgegangen? Wird das Team dabei unterstützt, den Rückweg so zu gestalten, dass dieser Erregungslage Rechnung getragen wird, oder soll der Hund sofort von 100 auf Null herunterfahren? Ist in der Trainingsplanung genügend Zeit und Raum vorgesehen, damit das Team den Rückweg so gestalten kann, dass der Hund bestmöglich auf die bevorstehende Pause vorbereitet wird? Oder entsteht Zeitdruck, weil das nächste Team bereits wartet?

Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt der Nachbesprechung. Wird sie so gelegt, dass sie für Hund und Mensch gut passt? Dass der Mensch aufnahmefähig ist und der Hund nicht durch Wartenmüssen überfordert ist?

Die Gestaltung dieser Übergänge entscheidet mit darüber, wie das Training als Ganzes vom Hund verarbeitet wird.

Auch diese Phase zeigt, ob neben der Aufgabe selbst auch die emotionalen Zustände des Hundes im Blick bleiben.

Gute Absicht ist der Anfang – Fachkompetenz im Mantrailing

In meinem Artikel über Mantrailing als Enrichment habe ich bereits eine Aussage aufgegriffen, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht:

„Trainer*innen, die ihre Teams nicht für Einsatz oder Wettkampf ausbilden, müssen sich mit Mantrailing nicht so gut auskennen.“

Ich habe damals geschrieben, dass ich das anders sehe – ganz anders.

Denn wenn Mantrailing als Enrichment gedacht ist, verschiebt sich der Maßstab. Der Erfolg eines Trails wird dann nicht mehr allein daran gemessen, ob oder wie schnell eine Person gefunden wurde oder welche Strecken ein Hund trailen kann oder welche Herausforderungen er meistern kann – sondern auch daran, wie sich der Hund dabei fühlt.

Damit wird ein klares Verständnis der Aufgabe selbst umso wichtiger – und der Faktoren, die sie für den Hund leichter oder schwieriger machen.

Die gute Absicht, den Leistungsgedanken fallen zu lassen und auf Wohlbefinden zu achten, ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Gleichzeitig reicht sie allein nicht aus, um Mantrailing so zu gestalten, dass es für Hunde wirklich bereichernd sein kann. Erst fundiertes Wissen macht diesen Weg sicher und nachhaltig.

Denn Mantrailing wird nicht umsonst die Königsdisziplin der Nasenarbeit genannt. Es handelt sich um eine Match-to-sample-Aufgabe, bei der der Hund mit einem sehr komplexen Geruch arbeitet: Dem Individualgeruch eines Menschen. Er muss sich diesen umfassend einprägen und über längere Zeit im Gedächtnis behalten können. Er muss eine zu diesem individuellen Geruch passende Spur in einer sich ständig verändernden Umgebung verfolgen. Gleichzeitig ist er über die Leine mit seinem Menschen verbunden und bewegt sich in einem Umfeld, das wir nie vollständig kontrollieren können.

Damit Hunde diese Aufgabe sicher verstehen und erfolgreich ausführen können, braucht es eine sehr sorgfältige Gestaltung des Trainings. Trails müssen so geplant werden, dass ihr Schwierigkeitsgrad zum jeweiligen Team passt. Und sie müssen so aufgebaut sein, dass der Hund die Aufgabe Schritt für Schritt verstehen und umsetzen kann.

Gerade wenn Mantrailing ganz gezielt als Enrichment gedacht ist, bekommt die Frage, wie der Hund das Training erlebt, eine zentrale Bedeutung.

Dafür reicht Erfahrung im Trailen allein nicht immer aus. Ebenso wichtig sind Kenntnisse über Lernverhalten, über Ausdrucksverhalten von Hunden und über die Gestaltung von Training, das Sicherheit, Orientierung und Handlungsfähigkeit ermöglicht. Und über die Fünf Säulen des Enrichments, die die Grundlage für Wohlbefinden im Leben der Hunde darstellt.

Umgekehrt können Trainer*innen, die bereits viel Erfahrung im Lesen von Hunden, in Lerntheorie oder im Verhaltenstraining haben, oft sehr schnell ein gutes Gespür für diese Form des Mantrailings entwickeln – wenn sie sich intensiv mit den Besonderheiten dieser Suchaufgabe vertraut machen.

Mantrailing als Enrichment verbindet deshalb mehrere Fachbereiche miteinander: Wissen über das Trailen selbst, über Lernprozesse und über Verhalten und Ausdrucksverhalten von Hunden.

Dazu kommt noch eine weitere Ebene: die Fähigkeit, dieses Wissen verständlich zu vermitteln.

Denn Training besteht nicht nur aus gelegten Trails. Menschen müssen verstehen können, was ihre Hunde gerade tun, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und wie sie ihre Hunde sinnvoll unterstützen können.

Gute Mantrailing-Trainer*innen begleiten deshalb nicht nur Hunde beim Suchen, sondern auch Menschen beim Lernen.

Dazu gehört auch die Fähigkeit, Trainingssituationen individuell anzupassen. Hunde bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit – in Temperament, Erfahrung, Sicherheit im Umgang mit Umweltreizen oder in ihrer aktuellen Lebenssituation.

Gute Trainer*innen entwickeln deshalb Strategien, um für verschiedene Teams passende Lösungen zu finden. Sie können Aufgaben vereinfachen, Rahmenbedingungen verändern oder andere zielführende Anpassungen im Training vornehmen, damit ein Hund die Aufgabe verstehen und erfolgreich gerne bewältigen kann.

Fehlt eines dieser Elemente, kann es passieren, dass Hunde die Aufgabe nicht klar verstehen oder regelmäßig mit Situationen konfrontiert werden, die sie überfordern.

Gerade deshalb lohnt es sich, bei der Wahl eines Trainingsangebotes auch auf diese fachlichen Hintergründe zu achten. Die Absolvent*innen der IBH-Trainer*innen Weiterbildung Mantrailing Schwerpunkt Enrichment, die ich federführend leite, erfüllen alle diese Kriterien, ebenso die Trainer*innen aus meiner Membership.

Als Hundemensch musst Du all diese fachlichen Hintergründe nicht selbst im Detail beherrschen. Aber es hilft, eine Grundlage zu haben, worauf es im Training ankommt und welche Fragen sinnvoll sind.

Genau darum geht es auch in meinem Buch: Zusammenhänge verständlich zu machen, damit Du Trainingsangebote besser einordnen, Antworten hinterfragen und Entscheidungen bewusst treffen kannst.

Wissen schafft Entscheidungsfähigkeit

Um also ein passendes Angebot zu finden, darfst Du Fragen stellen. Und Du darfst auch Antworten mit Tiefgang erwarten. Sätze wie „Das macht man beim Mantrailing eben so“ helfen dabei wenig. Sie erklären nichts und machen es schwer, Zusammenhänge zu verstehen.

Dabei ist genau dieses Verständnis wichtig, um Trainingsangebote richtig einordnen zu können. Um zu erkennen, was zu Dir und Deinem Hund passt und welche Wege ein Anbieter verfolgt und welche Wege es überhaupt gibt. Ob Dein Ziel deckungsgleich ist mit dem Ziel des Anbieters.

Wissen schafft hier Entscheidungsfähigkeit. Es hilft, Beobachtungen einzuordnen, Fragen zu stellen und Trainingsangebote bewusst auszuwählen.

Und es kann auch Mut machen, eigene Wünsche ernst zu nehmen. Mantrailing kann auf unterschiedliche Weise gestaltet werden – und es ist völlig in Ordnung, sich ein Training zu wünschen, das zu Deinen eigenen Zielen und zu Deinem Hund passt.

Genau mit diesem Ziel ist mein Buch entstanden:
Mantrailing: Mehr als Suchen – Wohlbefinden als Wegweiser

Es bietet eine verständliche Einführung in die Grundlagen des Mantrailings und betrachtet diese Sucharbeit konsequent durch die Enrichment-Brille: also mit dem Fokus darauf, wie Training so gestaltet werden kann, dass präzises Arbeiten und Wohlbefinden zusammengehen.

Das Buch richtet sich an Hundemenschen, die für sich und ihren Hund ein passendes Mantrailing-Training finden möchten.

Und ebenso an Trainer*innen, die eine fundierte Empfehlung aussprechen möchten, gerade auch dann, wenn sie vielleicht nicht selbst Fachleute im Bereich Mantrailing sind.

Es erscheint Ende März 26 im Cadmos Verlag.

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Unterschiedliche Ziele brauchen unterschiedliche Wege

Manchmal entstehen Diskussionen über Mantrailing schlicht deshalb, weil Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven auf dieselbe Situation schauen.

Was für die eine Person eindeutig eine „9“ ist, sieht für die andere Person aus wie eine „6“.

Beide betrachten dieselbe Situation – nur aus einer anderen Blickrichtung. Beide haben sie aus ihrer Perspektive recht.

Auch beim Mantrailing spielen Perspektiven eine große Rolle. Je nachdem, welches Ziel mit dem Training verfolgt wird, entstehen unterschiedliche Vorstellungen davon, wie eine Trainingseinheit aufgebaut sein sollte.

Wer Mantrailing als Einsatzaufgabe oder mit sportilichen Ehrgeiz betrachtet, wird andere Schwerpunkte setzen als jemand, für den diese Sucharbeit vor allem eine bereichernde Beschäftigung für Hund und Mensch sein soll.

Beide Perspektiven führen zu unterschiedlichen Entscheidungen im Training: bei der Gestaltung der Trails, beim Umgang mit Schwierigkeiten oder bei der Frage, welche Rolle Wohlbefinden im Training spielt.

Deshalb ist es so wichtig zu verstehen, welches Ziel ein Trainingsangebot verfolgt – und ob dieser Weg wirklich zu Dir und Deinem Hund passt.

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Ich bin Astrid Sperlich, Fachfrau für ein Mantrailing Training, das Mensch-Hund Teams zum Strahlen bringt.

Mit fachlichem Scharfsinn und Blick auf die Bedürfnisse beleuchte ich Dein Training von allen Seiten. Ich unterstütze Dich dabei, Deinen Weg als Mantrailing Trainer*in zu finden. Vor Ort in Oberbayern & online, persönlich & in einer starken Gemeinschaft.

Für den IBH leite ich die Mantrailing-Trainer*innen Weiterbildung, die den Schwerpunkt auf Enrichment setzt. Meine Mission: Mensch & Hund mit Mantrailing wirklich glücklich machen und nicht nur auslasten. Probleme lösen, statt neue schaffen.